Spanien: Trinkgelage zur "Verteidigung der Freiheit"

22. März 2006, 19:26
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Massenbesäufnisse auf offener Straße - so verbringen immer mehr Jugendliche ihre Wochenenden

Massenbesäufnisse auf offener Straße - so verbringen immer mehr spanische Jugendliche ihre Wochenenden. Die Folge: heftige Anrainerproteste und randalierende Betrunkene.

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Es war ein seltsamer Wettbewerb, der am Wochenende in Spanien ausgetragen wurde: In welcher Stadt kommen die meisten Jugendlichen zusammen - und zwar zum Saufen? Seit Tagen schwirrten E-Mails und SMS durch die Jugendzimmer der Nation. In den meisten Provinzhauptstädten zogen die Kids dann bewaffnet mit hochprozentigem Alkohol und Limonade, Plastikbechern und Säcken voller Eiswürfel zum "macro-botellón".

"Botellón" heißt so viel wie große Flasche und ist für rund eine halbe Million Jugendlichen zwischen 14 und 30 die Hauptbeschäftigung an Wochenenden. In der südspanischen Stadt Granada trafen zuletzt 25.000 Jugendliche zusammen. Das Besäufnis begann am Nachmittag und ging bis in die frühen Morgenstunden. 23 Jugendliche wurden mit schwerer Alkoholvergiftung ins Spital gebracht. Den Platz für die Veranstaltung, "mit der wir unsere Freiheit verteidigen wollen", so die trinkende Jugendlichen gegenüber den Reportern, wurde von der konservativen Gemeindeverwaltung zur Verfügung gestellt. Klohäuschen mit inbegriffen.

Geldstrafen

Doch in acht der 17 Regionen Spaniens wurde der macro-botellón bereits verboten. In der Hauptstadt Madrid und in der Mittelmeermetropole Barcelona ist der Alkoholkonsum seit Längerem untersagt. Zwischen 30 und 30.000 Euro Geldstrafe drohen bei Verstoß. Die beiden Städte versuchen so die allwochenendlichen Lärm- und Schmutzbelästigung für die Bewohner der Altstädte zu vermindern. Vor dem Verbot war das Leben an so manchem Platz zur Hölle geworden. Müll, Erbrochenes und Fäkalien stanken zum Himmel. Bei dem alkoholseligen Gegröle war an Schlafen nicht zu denken.

Während in Madrid die Polizei das Besäufnis ohne größere Zwischenfälle verhindern konnte, indem sie das Gelände, zu dem mobilisiert worden war, abriegelte, kam es in Barcelona zu heftigen Ausschreitungen. Geschäfte wurden verwüstet. Müllcontainer brannten. 54 Jugendliche wurden verhaftet. 69 Menschen wurden verletzt, darunter 36 Polizisten und Feuerwehrleute. Auch in der altehrwürdigen Universitätsstadt Salamanca kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Betrunkenen und der Polizei. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD; Printausgabe, 20.3.2006)

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    Was vom jüngsten Massenbesäufnis in Almería übrig blieb: Ein spanischer Jugendlicher auf Noagerl-Suche. Jede Woche geben sich Tausende dem Massenrausch hin.

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