Skoceks Zeitlupe: Erfolg und tschüss

22. Juli 2006, 13:39
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Michaela Dorfmeister hat am Wochenende gerührt von ihrer großen Karriere Abschied genommen und angekündigt, sich fortan nicht zum Kasperl zu machen

Michaela Dorfmeister hat am Wochenende gerührt von ihrer großen Karriere Abschied genommen und angekündigt, sich fortan nicht zum Kasperl zu machen. Das kann durchaus als Kommentar für die Verwurstelung von Spitzensportlern als Dancing Stars, Waschmittelwerber oder Oldtimer-Rallye-Fahrer verstanden werden. Muss aber nicht. Der auf der Leipziger Buchmesse mit dem Essayistikpreis ausgezeichnete Österreicher Franz Schuh hat in einem Interview in der Presse den Hintergrund der Tristesse erläutert, dass nämlich "diese neoliberale Erfolgsideologie einen letzten Endes öde zurücklässt".

Sollte Michaela Dorfmeister Schuhs Gedanken folgen, wird mit Spannung die Weiterentwicklung einer spannenden Karriere über das lebenslange Melken des Olympiasiegs zu beobachten sein.

Viele große Spitzensportler finden ja wie viele große Kommentatoren und Kolumnisten nicht in die Welt und recyclen einmal gefundene Lösungen. Im Fall des Sportlers ist das der Verkauf des Lorbeers, der mit dem Wachsen des Abstands zum Sporttreiben immer bitterer wird. Im Fall des Kommentators wird die Moralisiererei mit dem Abstand zur jeweils letzten missionarischen Handlungsanweisung an möglichst große Politiker merkwürdig raunzig.

Und nirgends ein Vorbild. Schuh identifizierte Elisabeth Gehrers totalitäre Diskursverweigerung als politische Blockaderhetorik. Der Schöner-Leben-Sportfilm, mit dem Österreich überzogen wird, führt zur totalen Herrschaft der Adoleszenz.

Die neueste schöne Welt ist nicht garstig, sie bietet fitte Körper, bittere Tränen, kühle Getränke und fette Luft. Sofern man ausreichend Erfolgreiche hat, die dem Bürger das Muster vorleben. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 20. März 2006, Johann Skocek)

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