Riesenverluste in der Karibik

22. März 2006, 18:45
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Die Bawag gibt zu, dass sie mit Wertpapier- geschäften rund 465 Millionen Euro verloren und in Briefkastenfirmen in der Karibik geparkt hat - Jetzt wackeln Vorstandsposten

Wien - Ein erster Lichtstrahl ist in das Dunkel rund um die karibischen Engagements der Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. auf der Steuerparadies-Insel Anguilla gefallen.

Die Bawag bestätigt, dass sie sieben Gesellschaften auf Anguilla hatte, über die in den vergangenen Jahren verlustreiche Wertpapier- und Fondsinvestments abgewickelt wurden. Es geht um 567 Mio. Dollar - nach derzeitigem Kurs rund 465 Millionen Euro.

Bekannt geworden sind die karibischen Verlustgeschäfte im Zuge der US-Ermittlungen zur Refco-Insolvenz, weil die Briefkastenfirmen ihre Depots bei Refco gehalten hatten.

FMA wird Karibik-Dokumente durchleuchten

Am Freitagnachmittag, als das Rätselraten über die Karibik-Geschäfte noch im Gange war, waren Bawag-Chef Ewald Nowotny und sein Vize, Stefan Koren, zum Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA) zitiert worden. Man kann davon ausgehen, dass die FMA die Karibik-Dokumente demnächst durchleuchten wird - jedenfalls die, die es gibt.

Denn wer im Hause Bawag diese Geschäfte angeordnet und die Gesellschaften kontrolliert hat, in denen die "schief gelaufenen Investments geparkt wurden" (so zitiert Profil einen "hochrangigen Bawag-Manager"), ist derzeit Gegenstand von Untersuchungen in der Bank. Es gibt Hinweise, dass auch Gewerkschafter informiert waren. Klären soll das alles jene interne Arbeitsgruppe in der Bawag, die seit Herbst die Refco-Kredit-Causa aufarbeitet.

Bilanzvorsorgen

Sicher ist laut Bawag, dass die Geschäftsbeziehungen zu den sieben Gesellschaften (Betio Asset Investment, Chaco City, Rabaul Holdings, Tecka Asset, Tuvalu Holding, Catamarca Asset, Monte Brook Corporate; ihre Adresse: der Briefkasten P.O. Box 687, in der Hauptstadt Anguillas The Valley) "beendet wurden". Die Verluste seien "bereits in den Bilanzen 2004 und 2005 voll untergebracht" worden.

Offen ist die Frage, wie Bawag-Chef Ewald Nowotny es schafft, dass die Bank für 2005 den hoch und heilig versprochenen Gewinn ausweist - und trotzdem alle Problemfälle in der Bilanz unterbringt. Denn: 2005 werden allein für die Refco-Kredite 392 Mio. Euro abgeschrieben, geht man davon aus, dass 2004 bereits die Hälfte der Anguilla-Flops (rund 230 Mio. Euro) wertberichtigt sind, wäre dieselbe Summe für 2005 nötig. Macht in Summe Wertberichtigungsbedarf von 622 Mio. Euro - in altem Geld fast zehn Milliarden Schilling. "Mit Auflösungen von Reserven geht sich das aus", ist das Einzige, was aus der Bank zu erfahren ist.

Personelle Konsequenzen

Als sicher darf inzwischen gelten, dass die jüngsten Flops, die Nowotnys Vorgänger und ihre noch in der Bank vorhandenen Vertrauten zu verantworten haben, personelle Konsequenzen haben werden. Gerüchtehalber wackeln die Vorstandsjobs der Refco-Kredit-Involvierten Christian Büttner und Peter Nakowitz sowie jener von Herbert Legradi (Ex-Sekretär von Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner). Ein Banker: "Vorausgesetzt, der Aktionär ÖGB sieht die Verantwortungsfrage ein."

Gerüchte, der ÖGB werde die Bank bei nächster Gelegenheit verkaufen, hat dessen Präsident Fritz Verzetnitsch in der ORF-"Pressestunde" dementiert: "Das sehe ich im Moment nicht." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.3.2006)

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    Bawag-Chef Ewald Nowotny (li.) wird bald weniger Kollegen haben. So ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch (Mi.) und Aufsichtsratschef Günter Weninger sich doch noch bewegen – und aufräumen.

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