Handys sollen in Japan das Geldbörsel ersetzen

18. Mai 2006, 16:34
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Nach Vorstellung von NTT-DoCoMo-Chef Masao Nakamura sollen sie es künftig nicht nur zum mobilen Telefonieren, sondern auch zum Bezahlen zücken.

Beim Stichwort "Zahlen" und "Handy" fällt Generaldirektor Masao Nakamura ad hoc "praktisch alles" ein. Denn beim führenden japanischen Mobilfunker NTT DoCoMo baut man das Handy derzeit zum "wallet phone" aus, also zur mobilen Geldbörse: Handy über das Lesegerät am Schranken zur U-Bahn ziehen, der Ticketpreis wird mit der nächsten Rechnung abgebucht.

Kooperationen

Für derartige Anwendungen hat NTT DoCoMo nicht nur eine Kooperation mit Japan Railway geschlossen, sondern auch das Kreditkartenunternehmen "iD" gegründet. Denn noch neigen Konsumenten in Japan wenig dazu, tägliches Allerlei mit der Kreditkarte zu zahlen. "iD" via Handy soll das ändern.

"Liebevolles Verhältnis zum Handy

Dass seine Landsleute derartige Services rasch annehmen, bezweifelt Nakamura nicht. "Hier haben die Leute ein fast liebevolles Verhältnis zu ihrem Mobiltelefon, jeder glaubt, er hat ein ganz besonderes Gerät. Je intensiver es genutzt wird, desto unbezahlbarer wird es für sie als Helfer im Alltag", ist er überzeugt. Mit "iD" will sich das Unternehmen einen Geldmarkt schaffen, den es bisher nicht gab: "Das System ist ähnlich einer Kreditkarte, ist aber speziell für kleine Summen konzipiert", sagt Nakamura, der Japans größten, und der Welt zweitgrößten Mobilfunker repräsentiert.

Lust auf mobile Kommunikation

Durch Turbogeschwindigkeiten bei der Datenübermittlung soll in Zukunft die Lust auf mobile Kommunikation noch gesteigert werden. "Im Experiment bringen wir die Geschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde schon zustande", betont der DoCoMo-Chef. In ein paar Jahren werden seiner Meinung nach die Übertragungsraten auf das Handy 2500-mal schneller sein als heute. "Das Problem ist noch, wie die dafür notwendige Technologie der ,vierten Generation' derart komprimiert werden kann, dass sie in ein Standard-Handy passt." Frühestens ab 2010 werde es soweit sein, dass ohne Daten- und Zeitverluste tatsächlich so gut wie alles über das Handy abgewickelt werden könne, also vom "echten" Fernsehschauen bis zum Online-Handel von Aktien.

MArkt noch nicht gesättigt

In Japan ist mit einer Verbreitung von Mobiltelefonen unter 70 Prozent der Bevölkerung der Markt zwar noch nicht gesättigt, aber das Wachstum habe sich sehr verlangsamt, bedauert Nakamura. Verstärkt will man daher jetzt um Senioren und Schüler als Neukunden werben.

Die NTT-Gruppe hat knapp die Hälfte der 95 Millionen japanischen Handykunden in ihrem Netz. Im Vorjahr konnte DoCoMo einen operativen Gewinn von 784,2 Milliarden Yen ausweisen.(Andrea Waldbrunner aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe vom 18.3.2006)

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    foto: andrea waldbrunner
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