Verursacher einer 30 km langen Ölspur auf der Donau ausgeforscht

22. März 2006, 19:27
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Beschädigten Treibstofftank mit bunter Knetmasse "repariert" - 8.700 Liter Diesel von Donau abgepumpt

Linz - Rund zwei Wochen, nachdem eine 30 Kilometer lange Ölspur auf der Donau zwischen Grein (Bezirk Perg) in Oberösterreich und Weißenkirchen in Niederösterreich "Umweltalarm" ausgelöst hatte, konnte jetzt der Verursacher ausgeforscht werden. Es handelt sich um ein bulgarisches Güterschiff mit beschädigten Tank, gab Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl am Sonntag bekannt.

In der Nacht auf 3. März kam es auf der Donau zur folgenschwersten Mineralölbeeinträchtigung, die es je gegeben hat, so Lißl. Rund 8.700 Liter Diesel mussten von der Oberfläche der Donau abgesaugt werden. Die Landeskriminalämter für Oberösterreich und Niederösterreich führten gemeinsame Ermittlungen durch. Chemische Analysen brachten Hinweise auf ungefärbten Dieseltreibstoff, wie er auch in der Schifffahrt verwendet wird. Zudem wurde ein Weg-/Zeitdiagramm der Schleusendurchfahrten erstellt und alle Schiffe kontrolliert, die zu diesem Zeitpunkt den Raum Grein passiert hatten.

Massive Delle

Am 16. März wurde das bulgarische Motorgüterschiff "Han Tervel" nach der Wiedereinreise nach Österreich im Stauraum von Ottensheim (Bezirk Urfahr-Umgebung) überprüft, so Lißl. Nach einer technischen Kontrolle an Bord wurde das Schiff von Einsatztauchern der Cobra unter Wasser nach Beschädigungen abgesucht. Dabei stellten die Taucher eine massive Delle beim backbordseitigen Treibstofftank fest. Diese Schadstelle war mit einer weichen Knetmasse verklebt, so Lißl.

Am Samstag wurde in der Linzer Schiffswerft ein gerichtlicher Lokalaugenschein durchgeführt. Dabei stellten die Gerichtssachverständigen derartig schwere Beschädigungen fest, dass das Schiff für eine Weiterfahrt gesperrt werden musste, so Lißl. Die Beschädigung des Treibstofftanks war laut Gerichtssachverständigen "völlig unfachmännisch notrepariert". So war die Bruchstelle mit einem unzureichenden Metallteil unfachmännisch zusammengeschweißt und außen mit einer bunten Knetmasse - ähnlich wie Plastilin - verklebt, so der Sicherheitsdirektor.

Der Tank war innen mit einer Beton- und Bitumenmasse eingegossen. Die Teile wurden sichergestellt und sollen für das Gerichtsgutachten untersucht werden, sagte Lißl. Da in der Zwischenzeit die Mannschaft und der Kapitän von der Reederei in Bratislava ausgetauscht wurden, konnte noch keine vollständige Klärung erfolgen, so die Ermittler. Der Sachverhalt ist beim Landesgericht St. Pölten anhängig. (APA)

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    Das Leck am Tank des Schiffes war mit buntem Plastillin verklebt

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