Gewerkschaftliche Kooperation: "Die Nummern sind mir egal"

21. März 2006, 15:24
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ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch will stärkere, bereichsspezifische Zusammenarbeit der Teilgewerkschaften

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch will stärkere, bereichsspezifische Zusammenarbeit der Teilgewerkschaften. Weitere Fusionen müssten nicht unbedingt folgen. Intern will er auf Mitgliederschwund und gesunkene Einnahmen reagieren und bei hauseigenen Sonderpensionen sparen.

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Wien - Stärkere Kooperation nach Wirtschaftsbereichen, aber nicht unbedingt neue Fusionen wünscht sich ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch für die zukünftige interne Organisation des Österreichischen Gewerkschaftsbundes: "Die Nummern sind mir egal", sagte der SP-Politiker am Sonntag in der ORF-"Pressestunde".

Egal ist ihm übrigens auch ein Regierungsamt. "Das ist nicht meine Funktion", schloss Verzetnitsch für sich einen Wechsel in die Regierung nach der Nationalratswahl im Herbst aus. Bedeckt hielt er sich hinsichtlich einer neuerlichen Kandidatur als ÖGB-Chef beim ÖGB-Kongress 2007: "Das kann ich jetzt mit Garantie nicht sagen."

Von den 13 Teilgewerkschaften haben sich bereits sieben zu drei Blöcken zusammengetan, zuletzt die größte Teilgewerkschaft der Privatangestellten mit der "Druck/ Papier" (Grafik rechts).

Bis Ende Juni will der Gewerkschaftsbund auch auf veränderte Strukturen und Mitgliederzahlen reagieren, kündigte Verzetnitsch an. Dazu gehöre ein wirtschaftlicher Organisationsplan. Probleme machen dem ÖGB vor allem sinkende Mitgliederzahlen und die steigende Teilzeitbeschäftigung, durch die die einkommensabhängigen Gewerkschaftsbeiträge sinken.

Er wolle "Einnahmen und Ausgaben so miteinander koppeln, dass wir nicht von irgendwem anderen abhängig sind", sagte Verzetnitsch. Die im Jahr 2004 eingenommenen 265 Millionen Euro habe der ÖGB im vergangenen Jahr nicht mehr erreichen können.

Sparen wolle er bei den Sonderpensionsrechten für Gewerkschaftsmitarbeiter, sagte Verzetnitsch. Derzeit haben 105 ÖGB-Bedienstete einen Anspruch auf eine Art "Pensions-Upgrade" auf 80 Prozent des Letzteinkommens, wobei die Differenz auf die deutlich niedrigere staatliche ASVG-Pension von der Gewerkschaft bezahlt wird. Durch die schwarz-orange Pensionsreform wurden diese "Aufzahlungen" für den ÖGB teurer. Für sich selbst will Verzetnitsch auf diese Verlustabgeltung verzichten. Die entsprechenden Sonderpensionsrechte seien jedoch in Einzelverträgen geregelt und könnten nur mit Zustimmung der Betroffenen geändert werden.

VP/BZÖ/FP-Eintracht

Die Reaktionen auf Verzetnitsch waren von seltener Eintracht: Die ÖVP stehe für ökosoziale Marktwirtschaft, die SPÖ für "unsoziale Misswirtschaft", meinte VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka. BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch warnte vor einer Regierungsbeteiligung der SPÖ. Für FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hat der ÖGB mit echter Arbeitnehmervertretung "nichts mehr am Hut". (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 20.03.2006))

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