Regierung will Kampf gegen Kokain verschärfen

24. März 2006, 13:58
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Koka soll jedoch von der UNO von Liste 1 der illegalen Suchtmittel gestrichen werden

Wien - Die Regierung des neuen Staatspräsidenten Boliviens, Evo Morales, will bei den Vereinten Nationen die Streichung von Koka aus der Liste 1 der illegalen Suchtmittel erreichen. Dies teilten der Drogenbeauftragte des Landes, Vizeminister Felipe Caceres, sowie der Abgeordnete und Koka-Bauernvertreter Dionisio Nunez am Wochenende im Gespräch mit der APA in Wien mit. Die neue Staatsführung will zugleich den Kampf gegen den Drogenhandel verschärfen und die nicht für den legalen Gebrauch benötigte Überschussproduktion freiwillig vernichten.

Laut einer von der EU mitfinanzierten Studie geht man davon aus, dass 18.000 bis 19.000 Hektar der insgesamt 27.000 Hektar Produktionsfläche für den in Bolivien legalen Koka-Konsum benötigt werden. "Wir verteidigen die Produktion von Koka, aber wir verurteilen scharf, dass die Pflanze für die Herstellung von Kokain missbraucht wird", erklärte Nunez, der einen "verschärften und effizienteren Kampf" der Morales-Regierung gegen den Drogenhandel ankündigte. Cacares, der wie sein Kollege selbst "Cocalero" war, erklärte, dass der Koka-Anbau genau kontrolliert werde und dass etwa vergangene Woche 1,8 Tonnen konfiszierter Kokainpaste verbrannt worden seien. Seiner Behörde stünden zu diesen Zwecken eigene Spezialeinheiten zur Verfügung.

Dekriminalisierung

Die angestrebte Dekriminalisierung der Pflanze, die von den Vereinten Nationen im Jahr 1961 auf die Liste 1 der psychotropen Substanzen gesetzt wurde, könnte nicht zuletzt einen Markt für legale Koka-Produkte, wie z.B. Arzneimittel eröffnen. Dies würde für das ärmste Land Südamerikas auch eine wirtschaftliche Chance bedeuten.

Freilich gelte es auch, im Ausland Missverständnisse auszuräumen, was die Koka-Kultur in Bolivien anbelangt: "Kokain ist nicht Bestandteil unserer Kultur." Die für die Herstellung der Nobeldroge benötigten chemischen Vorläufersubstanzen würden zu einem großen Teil aus dem Ausland kommen, in Bolivien selbst stünde die Infrastruktur dafür vielfach gar nicht zur Verfügung. Die Rauschgiftbanden im Land würden auch nicht in den Anbauzonen der Koka-Staude operieren, sondern vom Dschungel aus.

Große Nachfrage

Dass die in der Landeskultur seit 4.000 Jahren gebräuchliche Pflanze in großem Maße auch illegal verarbeitet werde, liege wohl nicht zuletzt an der großen Nachfrage in der Ersten Welt. Außerdem sei es eine Fehleinschätzung, dass für jene Bauern, die dem illegalen Kokainhandel zuarbeiteten, so große Gewinnspannen winkten.

Das von der Internationalen Gemeinschaft verhängte Totalverbot von Koka "in seinem natürlichen Zustand bedeutet für Nunez einen "Verstoß gegen die kollektiven Rechte und eine Missachtung der kulturellen Identität der indigenen Bevölkerungsteile, zu denen 65 Prozent der Bolivianer zählen". In der Wiener Konvention von 1961 wurden Koka und seine Derivate als illegale Substanzen erklärt.

Doppelmoral

Caceres moniert außerdem eine "Doppelmoral" der USA in Sachen Koka-Bekämpfung. Während etwa in Ländern wie Kolumbien oder Peru - bei geringerer Verankerung in der Landeskultur - weit größere Mengen der Pflanze produziert würden, stünde hauptsächlich Bolivien am Pranger. Während die USA unter Aufsicht der UNO Koka für die Herstellung von Medikamenten oder Coca-Cola importierten, wehe dem Andenstaat aus Washington ein schärferer Wind entgegen.

Angesprochen auf die Gitarre mit echtem Koka-Blatt als Intarsie, die Morales kürzlich US-Außenministerin Condoleezza Rice in Chile geschenkt hat, sagte Caceres, er wisse nicht, ob das Instrument die scharfen Drogenbestimmungen der nordamerikanischen Zollbehörde passieren konnte. (APA)

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