UNO: Kabul braucht für 6,5 Millionen Menschen Nahrungshilfe

20. März 2006, 12:39
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Nach Trockenheit droht teilweiser Ernte-Ausfall

Berlin - Rund 6,5 Millionen Menschen in Afghanistan sind nach Angaben der Vereinten Nationen in diesem Jahr auf ausländische Lebensmittelhilfen angewiesen. Rund 3,5 Millionen Menschen seien dauerhaft und weitere drei Millionen zumindest saisonal unterversorgt, sagte der Leiter des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) in Afghanistan, Charles Vincent, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Erschwerend hinzu kommt nach Angaben Vincents die schwere Trockenheit der vergangenen Monate. Davon seien nach vorläufigen Schätzungen bis zu 1,4 Millionen Menschen betroffen.

Zu wenig Regen und Schnee

Über den Winter habe es in vielen Gebieten nur halb so viel Regen und Schnee gegeben wie eigentlich nötig, sagte Vincent und warnte vor einem teilweisen Ausfall der Ernte in diesem Jahr. Betroffen von der Trockenheit sei nahezu das ganze Land mit Ausnahme des Nordens. "Die Wasserreserven sind nicht ausreichend", sagte Vincent und rief die Industrienationen zu weiteren Lebensmittelhilfen und zusätzlicher finanzieller Unterstützung auf. "Wir brauchen ganz dringend 20.000 Tonnen Grundnahrungsmittel, speziell Weizen." Vincent verwies auf die Bedeutung einer ausreichenden Nahrungs- und Wasserversorgung für die Gesundheit der Bevölkerung. Nur so könnten Tuberkulose und die hohe Kindersterblichkeit wirksam bekämpft werden.

"Kritisch" seien in diesem Jahr vor allem zwei Zeiträume, sagte Vincent. In den kommenden drei Monaten müssten vorrangig Menschen versorgt werden, deren Vorräte wegen des Winters aufgebraucht seien. Und in der Zeit von August bis Oktober müssten die Menschen in den Gegenden versorgt werden, die im Winter nicht zu erreichen sind. "Das ist eine enorme logistische Herausforderung", sagte Vincent. Als zunehmende Gefahr wertete er dabei die instabile Sicherheitslage. Dadurch würden viele Nahrungsmittel-Transporte gefährdet. (APA/dpa)

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