Zehntausende bei Trinkgelagen in Spanien

19. März 2006, 18:37
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Heftige Krawalle in Barcelona und Salamanca - Rund 20 Städte beteiligten sich an Alkohol-Wettstreit

Madrid - Nach Aufrufen zu Massenbesäufnissen in mehreren Städten Spaniens haben landesweit mehrere Zehntausend Jugendliche an Trinkgelagen unter freiem Himmel teilgenommen. Allein in Granada im Süden des Landes kamen rund 35.000 Menschen zusammen, wie die Behörden am Samstag mitteilten.

Vielerorts fielen die Freiluftpartys wegen heftigen Regens oder massiver Polizeipräsenz allerdings aus. In Barcelona und Salamanca kam es überdies zu schweren Ausschreitungen, als die Polizei nicht genehmigte Trinkgelage auf offener Straße verhindern wollte.

Bei den Krawallen in Barcelona wurden fast 70 Menschen verletzt, darunter 36 Polizisten. Rund 200 Jugendliche aus der autonomen Szene hätten die Beamten mit Steinen und Flaschen angegriffen, hieß es. Es habe mehr als 50 Festnahmen gegeben. Bei der stundenlangen Straßenschlacht hätten die Randalierer Müllcontainer in Brand gesteckt und Fensterscheiben von Geschäften eingeworfen. Ähnliche Krawalle gab es auch in der Universitätsstadt Salamanca. Dort seien 16 Jugendliche festgenommen worden, unter ihnen auch ein Deutscher.

"Besoffen und stolz"

Landesweit mussten zudem Hunderte Partygänger wegen Alkoholexzessen behandelt werden, wie das Fernsehen berichtete. Vielerorts war zu sehen, wie die Jugendlichen sich Schnaps oder eine als "Calimocho" bekannte Mischung aus Rotwein und Cola über einen mit einem Trichter verbundenen Schlauch einflößten. "Besoffen und stolz - lasst uns in Ruhe trinken", war auf einem Transparent in Madrid zu lesen. Dort verhinderte die Polizei, dass die jungen Menschen an den beiden ausgemachten Treffpunkten zusammenkommen konnten. "Ich bin schon vier Mal nach Schnapsflaschen durchsucht worden. Mir reicht es!", schimpfte ein Teenager.

Um die Jugendlichen besser unter Kontrolle zu haben, hatte die Stadtverwaltung von Granada ein freistehendes Gelände zur Verfügung gestellt und ein großes Zelt aufgebaut, wo die Teilnehmer zu ohrenbetäubender Musik tanzten. In der südspanischen Metropole hatte es per SMS-Botschaften und über das Internet die ersten Aufrufe zu dem Massenbesäufnis gegeben. Auslöser war eine Freiluftparty von Studenten in Sevilla vor einem Monat gewesen, an der 5.000 Menschen teilgenommen hatten.

Rivalitäten

Die Rivalität beider andalusischen Städte führte dazu, dass Granada diese Zahl überbieten wollte. Die Idee breitete sich dann in ganz Spanien aus. So beteiligten sich rund 20 Städte an dem Wettstreit, darunter auch Valladolid, Oviedo oder Saragossa. In Sevilla kamen nur 6.000 Menschen zusammen.

"Diese Alkoholtreffen sind sehr gefährlich", kritisierte die Drogenbeauftragte der Regierung, Carmen Moya. Sie deutete an, dass hinter den Aufrufen nicht nur partyhungrige Jugendliche stünden. "Es gibt auch ein kommerzielles Interesse, schließlich steigt der Schnapsverkauf." Katerstimmung herrschte am Tag danach auch unter den Tausenden von Reinigungskräften, die tonnenweise Müll beseitigen mussten.

"Dieser Gestank von Urin und Erbrochenem ist kaum auszuhalten", sagte in Sevilla eine mit einer Atemmaske ausgestattete Stadtangestellte. Sorge herrscht auch, weil es für das nächste Wochenende bereits erste Aufrufe zu einem neuen Saufgelage gibt. (APA/dpa)

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    "Besoffen und stolz - lasst uns in Ruhe trinken": Die spanische Jugend folgte bereitwillig dem Trink-Aufruf per SMS.

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