Verbündete halten Berlusconi unter Beschuss

29. März 2006, 16:12
1 Posting

Fini: "Wer mehr Stimmen bekommt, wird Premierminister"

Rom - Die Regierungspartner halten den italienischen Premier Silvio Berlusconi unter Beschuss. Gianfranco Fini, Chef der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale (AN), betonte, dass Berlusconi nur so lange Kandidat der Mitte-Rechts-Allianz für das Amt des Ministerpräsidenten bleiben werde, bis seine konservative Gruppierung Forza Italia stärkste Einzelpartei des Regierungsbündnisses sei.

"Berlusconi ist kein Monarch. So lange seine Partei die meisten Stimmen erhält, ist es richtig, dass er Premierskandidat ist. Die Lage wird sich ändern, sollte ein anderer Kandidat des Regierungsbündnisses bei den Parlamentswahlen (am 9. und 10. April, Anm.) mehr Stimmen bekommen", meinte Fini nach Angaben italienischer Medien.

Schlag fürs Image

Für Berlusconi bedeuten Finis Worte Beobachtern zufolge einen harten Schlag fürs Image. Der bis vor einem Jahr intern unangreifbare TV-Zar ist nach einem schwierigen Jahr aus Wahlniederlagen, unaufhaltsamem Popularitätsschwund und internen Konflikten in seiner Koalition zunehmend unter Druck geraten. Die Mitte-Rechts-Koalition, die er nach seinem Einstieg in die politische Arena aufgebaut hatte, kehrt ihm zusehends den Rücken.

Marco Follini, ein Politiker der mit Berlusconi verbündeten christdemokratischen UDC, kritisierte die Töne des Premiers im Wahlkampf. "Er schildert ein Italien, in dem alle gegen ihn sind: Gewerkschaften, Justiz und Medien. Er stellt sich als Opfer dar und begreift nicht, dass er damit der Opposition Stimmen schenkt", so Follini.

Berlusconi musste vor allem nach dem TV-Duell gegen seinen Herausforderer Romano Prodi am Dienstag scharfe Kritik von seinen Verbündeten einstecken. Nach Angaben Finis wirkte Berlusconi zu optimistisch. "Berlusconi wollte den Eindruck erwecken, dass im Land alles in Ordnung sei. Das war übertrieben, weil die vielen noch unentschlossenen Wähler genau wissen, dass es im Land noch viele ungelöste Probleme gibt", meinte Fini.

Kritisiert wurde Berlusconi auch von Kammerpräsident Pier Ferdinando Casini. Der Ministerpräsident habe bei der von der RAI ausgestrahlten TV-Diskussion zu ausführlich über die bisherigen Leistungen der Regierung berichtet und so das Duell als Chance ungenutzt gelassen, die künftigen Pläne der Mitte-Rechts-Allianz zu schildern. Laut Umfragen ging Berlusconi als Verlierer aus dem Duell mit Prodi hervor. Eine weitere Fernsehdebatte zwischen den beiden ist für 3. April geplant. (APA)

Share if you care.