Charleroi zieht gegen FIFA vor Gericht

24. März 2006, 09:25
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Belgischer Erstligist fordern mit Unter­stützung der G14 Entschädigungs­zahlung für Teamkicker Oulmers, der sich in einem Ländermatch schwer verletzte

Brüssel - Etwas mehr als ein Jahrzehnt nach dem "Bosman-Urteil" (1995) könnte es ab Montag neuerlich in Belgien zu einem für den Fußball revolutionären Gerichts-Showdown kommen. Mit der Unterstützung der reichsten Klubs der Welt tritt der belgische Erstligist Charleroi gegen den Fußball-Weltverband (FIFA) an. Charleroi fordert Entschädigungszahlungen, nachdem sich im November 2004 Abdelmajid Oulmers in einem freundschaftlichen Ländermatch von Marokko gegen Burkina Faso so schwer verletzt hatte (mehrfacher Bänderriss im Knöchel), dass er für den Rest der Saison ausgefallen war.

Charleroi, das sich durch die Verletzung der Titelchance beraubt fühlte, darf auf die Unterstützung der G14 zählen. Das ist jene Gemeinschaft, der die mittlerweile 18 reichsten Vereine der Welt angehören. Die G14 hat in einem ähnlichen Fall auch dem französischen Meister Olympique Lyon Hilfe zugesagt.

Die Klubs müssen an ihre internationalen Topstars horrende Gehälter zahlen, gemäß FIFA-Regelwerk müssen die Kicker aber im Falle einer Teameinberufung (Bewerbspiele und Freundschaftspartien) ohne Wenn und Aber jederzeit freigestellt werden. Laut G14 verstößt diese Regelung übrigens auch gegen das Schweizer Gesetz, auch auf dieser Ebene will man Schritte einleiten, schließlich befindet sich der FIFA-Sitz in Zürich.

FIFA-Boss Sepp Blatter zeigt den "Aufständischen" die kalte Schulter und bezeichnete diese als "respektlos". Laut FIFA-Ansicht gibt es zwischen der Verletzung von Oulmers und dem fünften Endrang von Charleroi in der Saison 2004/05 keinerlei Zusammenhang. Außerdem sei die finanzielle Entschädigung der Klubs für die Spieler-Abstellungen Sache der nationalen Verbände und nicht Sache der FIFA.

Die G14, u.a. mit Real Madrid oder Manchester United, fordert, dass die Klubs Gewinnanteile von Turnieren wie EM und WM erhalten müssten. Denn schließlich sorgen dabei ihre Kicker für die große Show. Die FIFA hält das Argument dagegen, dass 75 Prozent der Einnahmen von großen Turnieren an die Verbände gehen. Diese entscheiden dann selbst, was mit dem Geld passiert. (APA/Reuters)

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