[dag]: März, nicht Mai

19. März 2006, 19:55
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In drei Tagen beginnt unter widrigen äußeren Bedingungen der Frühling

...Sagen Sie nicht, das sei kein Thema, keines für Menschen mit Niveau. Oder wollen Sie behaupten, König Friedrich Wilhelm IV. sei schlichten Gemüts gewesen, da er sich im Jahr 1841 von seinem Schlossdichter Emanuel Geibel mit der Botschaft aufrichten ließ: "Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden, und streut er Eis und Schnee umher, es muss doch Frühling werden."

Und Georg von der Vring? - Er besuchte immerhin die Königliche Kunstschule in Berlin, schrieb Aufsehen erregende Kriegsromane, unterrichtete, malte, philosophierte und kam irgendwann einmal zum Schluss: "Dreht der alte Erdenball wieder sich zum Lichte, wird der eisige Kristall am Gezweig zunichte." (Heute würde man sagen: Wenn's wärmer wird, schmilzt der Dreck.)

Und was bemerkte schon Ende des 19. Jahrhunderts der große Theodor Fontane, Apotheker erster Klasse, Gesellschaftskritiker und herausragender Vertreter des bürgerlichen Realismus? - "Wohl zögert auch das alte Herz und atmet noch nicht frei, es bangt und sorgt: Es ist erst März, und März ist noch nicht Mai." - Beeindruckend, wie Recht er bis heute behalten sollte. (DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.03.2006)

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