Die Betonwüste lebt

12. Juli 2006, 16:30
posten

Wer sich auf risikoreiche, stark wachsende Märkte spezialisiert, schaut derzeit nach Dubai. Was Europa bleibt, ist ein verhaltener Aufschwung beim Wohnbau in Osteuropa

Die Karawane der nach immer größeren Profiten strebenden Immobilienbranche zieht weiter. Wer sich auf risikoreiche, stark wachsende Märkte spezialisiert, schaut derzeit nach Dubai. Was Europa bleibt, ist ein verhaltener Aufschwung beim Wohnbau in Osteuropa.

***

Wenn Aussteller- und Besucherzahlen der Immobilienleitmesse MIPIM in Cannes tatsächlich - wie von den Veranstaltern behauptet - ein Gradmesser für die Immobilienkonjunktur ist, dann dürfte das Platzen einer behaupteten Immobilienblase noch länger auf sich warten lassen: Die Besucherzahl der gestern, Freitag, in Cannes zu Ende gegangenen Veranstaltung hat sich um rund ein Drittel auf nahezu rund 25.000 erhöht.

Das Trendbarometer zeigt indessen nicht überall nach oben. Die Goldgräberstimmung in Osteuropa ist zumindest für den Büroimmobilienmarkt vorbei. Das räumt auch der für die Regionen beim internationalen Maklerverbund GVA zuständige Karl Maier ein, der dafür aber einen Wohnbauboom vor allem rund um Warschau, Bukarest und Sofia ortet. Hier werden derzeit, vor allem von spanischen Unternehmen, hektarweise Grundstücke für Wohnbauten angekauft und in weiterer Folge als Edelrohbauten verkauft. Die künftigen Nutzer bauen sich die Wohnungen dann selbst fertig.

Europa sieht alt aus

Freilich, im Vergleich mit dem arabischen Raum sieht ganz Europa reichlich alt aus. So entwickelt derzeit beispielsweise Emaar Properties aus Dubai - 1997 gegründet und heute die größte Immobilienfirma der Welt mit einem Gewinn von zuletzt 1,3 Milliarden Dollar - ein 55 Millionen Quadratmeter großes Areal in Saudi-Arabien mit einem neuen Hafen, einem neuen Industriepark, einem Finanz- und einem Universitätsviertel samt Freizeit- und Wohnanlagen. Nach Fertigstellung werden dort, wo sich vor Monaten nur Wüstensand befand, 500.000 Menschen wohnen und arbeiten.

Praktisch zeitgleich investiert die mehrheitlich dem Herrscherhaus von Dubai zugerechnete Aktiengesellschaft rund vier Milliarden Dollar in 100 Einkaufszentren im Nahen Osten, Nordafrika und Indien und baut zusätzlich das größte Einkaufszentrum der Welt - mit knapp einer Million Quadratmeter Nutzfläche rund um das bald höchste Gebäude der Welt, den 560 Meter hohen Burj Dubai.

Ein deutlich kleineres Immobilienunternehmen in Dubai, das derzeit zwei Milliarden Dollar investiert, ist die Mustafa Galadari Gruppe. Sie errichtet zurzeit unter anderem unweit der künstlichen Wohn- und Bürosiedlung "Palme" im Meer große Teile des "City of Arabia"-Projekts.

Bürotürme und Saurier

Auf einer Fläche von rund sieben Millionen Quadratmeter entstehen hier 34 Büro-und Wohntürme, ein weiteres riesiges Einkaufszentrum der Luxusklasse samt Kino- und Sportcenters, Schulen, Spitäler, Restaurants und einen History-Themenpark, bei dem lebensgroße Saurier-Roboter durch urzeitliches Gelände stapfen. Wie Las Vegas oder Disneyworld - nur alles um ein Vielfaches größer.

Der nicht enden wollende Immobilienboom hat damit zu tun, dass die einzige Lebensader der Region, des Erdöl, mittelfristig versiegen wird. Bis dahin soll die Region zur weltweit größten Touristenattraktion umgebaut werden.

Am fehlenden Kapital wird hier wohl keines der Projekte scheitern. Einzig Fragen zur politischen Stabilität von Nachbarländern wie Iran und Irak und darin liegenden Gefahren für die gesamte Region werden ausweichend bis gar nicht beantwortet.

Boomregionen in Indien und China

Die internationale Immobilienindustrie hat ihre Fühler vorsorglich bereits nach neuen Destinationen ausgestreckt. Erste Projekte im größeren Stil werden derzeit in Indien und China realisiert, wo in den kommenden Jahrzehnten die nächsten Boomregionen entstehen werden.

Wenn es um Private-Public-Partnership-Modelle geht, hat Österreich trotzdem die Nase vorne. So war vor allem bei vielen deutschen Kommunen und Immobilienentwicklern das Technopark-Projekt am ehemaligen Postbusareal in Dornbirn ein heißes Thema.

Technopark Dornbirn

Hier entsteht für 35 Millionen Euro ein 18.000 Quadratmeter großer Technologiepark, der auf Forschungseinrichtungen, Technologieunternehmen und innovative Dienstleistungsunternehmen abzielt. Eine Besonderheit ist, dass bei diesem Projekt neben der Stadt Dornbirn und dem Land Vorarlberg auch das Bundesland Tirol mit im Boot ist und damit ein gelungenes Beispiel öffentlich-privater Zusammenarbeit - und zwar über Bundesländergrenzen hinweg - darstellt. (Gerhard Rodler aus Cannes, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.3.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In Dubai entsteht derzeit als Prophylaxe für die Zeit nach dem Öl eine Reihe gigantischer Immobilienprojekte...

  • Bild nicht mehr verfügbar

    ...wie zum Beispiel das Projekt von Emaar Properties, das einen neuen Hafen, einen neuen Industriepark, ein Finanz- und ein Universitätsviertel samt Freizeit- und Wohnanlagen umfasst.

Share if you care.