Niedrig, aber ein großer Aussichtsberg

    18. März 2006, 16:52
    6 Postings

    Beobachtung­sort und Kult­stätte Michel­berg, die höchste Er­he­bung im Rohr­wald und trotz­dem ein Winz­ling

    Der Michelberg, mit 409 m der Höchste im Rohrwald und trotzdem ein Winzling unter den niederösterreichischen Erhebungen, ist ein großartiger Aussichtsberg. An klaren Tagen überblickt man den Alpenbogen vom Schneeberg bis zum Traunstein, schaut weit ins Donautal und ins Weinviertel und kann sogar das rund 100 Kilometer entfernte tschechische Atomkraftwerk Bohunice ausnehmen. Damit sich der Wanderer exakt orientieren kann, gibt es auf dem Gipfel eine Panoramascheibe mit genauen Angaben.

    Beobachtungsstation und Kultstätte

    Die exponierte Lage der baumfreien Kuppe veranlasste schon die Menschen der Steinzeit, dort eine Beobachtungsstation zu errichten. Im Zweiten Weltkrieg war der Michelberg militärisches Sperrgebiet mit einer Funkmessstation und einer kleinen Kaserne. Der Michelberg hat auch eine lange Vergangenheit als Kultstätte. Bereits aus dem 10. Jahrhundert ist eine Kirche nachgewiesen. Die heutige Kapelle stammt von 1853.

    Bei der Runde über den Michelberg sollte man keineswegs den Abstecher zum nahe gelegenen Waschberg unterlassen, denn auch dieser bietet eine herrliche Aussicht. Der Waschberg besteht aus Silikatgestein, der Michelberg aus Nummulitenkalk, was sich in der Vegetation auswirkt.

    Wanderungen im Rohrwald sind schon wegen der geringen Höhenunterschiede wenig beschwerlich, doch sollte man die Wege nicht verlassen, denn das Unterholz kann stellenweise sehr dicht sein.

    Die Route

    Vom Gasthaus Goldenes Bründl wandert man - rot markiert - auf dem rechten Ufer des Rohrbachs ein Stück talaufwärts, hält sich bald links (Wegweiser "Schöne Säule"), um an der barocken Bildsäule vorbei und durch einen Talgrund in Richtung Steinberg aufzusteigen. Über den Grillenberg erreicht man den Michelberg-Gipfel mit der weithin sichtbaren Kapelle. Gehzeit zwei Stunden.

    Vorbei an einem kleinen Gasthaus steigt man in den Sattel ab, um im leichten Gegenanstieg auf den Waschberg zu gelangen. Ab Michelberg eine halbe Stunde. Man kehrt in den Sattel zurück und wählt die grüne, teilweise auch rote Markierung, die in das romantische Tal des Wiesenbachs und zum Ausgangspunkt führt. Ab Waschberg eine Stunde.

    Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz rund 300 m. Gasthaus unterhalb des Gipfels derzeit geschlossen, in der Sai- son tagsüber an Wo./Fei. offen; Gasthaus Goldenes Bründl Mitt- woch bis Sonntag geöffnet. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 40 (Stockerau)
    (DER STANDARD, Printausgabe vom 18./19.3.2006)

    Von
    Bernd Orfer
    • Artikelbild
      grafik: der standard
    Share if you care.