Fliesenleger und "Alleinmeister"

17. März 2006, 19:01
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Seit knapp einem Jahr versuchen zwei Fliesenleger aus Sopron, gegen deutsche Billigkonkurrenz auf dem österreichischen Markt Fuß zu fassen

Seit knapp einem Jahr versuchen zwei Fliesenleger aus Sopron, gegen deutsche Billigkonkurrenz auf dem österreichischen Markt Fuß zu fassen. Sie haben der Bürokratie ein Stück Europa abgerungen.

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Eisenstadt – Wenn István Unger über sich und seine Arbeit spricht, dann redet er erstaunlicherweise über Probleme, die eigentlich der Österreicher mit ihm haben müsste. "Am Bau", sagt also István Unger, "gibt es immer mehr deutsche Firmen." Und: "Die arbeiten um die Hälfte."

István Unger ist in Sopron zu Hause. Dort betreibt er seit zehn Jahren mit einem Kompagnon, Tamás Faragó, eine "nicht schlecht gehende" Fliesenlegerei. Seit dem Sommer des Vorjahres hat er das Geschäftsrayon ins Österreichische hinüber vergrößert. Und war naturgemäß schon überrascht, dort eine Konkurrenz zu finden, die er daheim von den rumänischen Kollegen gewohnt ist, "die machen schon einen Druck".

"Alleinmeister"

Unger und Faragó sind keineswegs Pfuscher. Sie sind, so heißt das eben, "Alleinmeister". Ihre Berechtigung, die Fliesenlegerei in Österreich zu betreiben, gilt nur für sie persönlich. Als Firma dürfen sie nicht auftreten, als Arbeitnehmer auch nicht. Daher‑ gilt es, ja nicht den Bescheid mit der Aktenzahl BMWA-324.898/0001-l/9/2005 daheim zu vergessen. Das erspart bei allfälligen Kontrollen einigen Erklärungsaufwand.

Ins österreichische Geschäft sind Unger und Faragó so gekommen, wie es sich, sozusagen, gehört: durch Mundpropaganda. "Als Ausländer musst du doppelt so gut sein wie ein Inländer. Aber das ist überall so. Am Anfang ist eben die Skepsis da." Ist die aber einmal überwunden, also Vertrauen aufgebaut, dann klappt es. "Wir kooperieren mit einem Generalunternehmen, wir sind die Subunternehmer." Vergangene Woche in Graz und diese Woche vom STANDARD auf der Heimfahrt von Wien in Eisenstadt abgefangen: Zwei mit den Umständen durchaus zufriedene junge Männer, die, so sehen sie es, der Bürokratie ein Stück Europa abgerungen haben.

"Es war nicht einfach", sagt Tamás Faragó, "die Genehmigung zu bekommen." Das Europa-Kompetenzzentrum der Eisenstädter Wirtschaftskammer habe da sehr geholfen. Unger: "Wir haben den Antrag am selben Tag zur Post gebracht. Ich hab den positiven Bescheid im April bekommen, Tamás zwei Monate später."

Eigenes Werkzeug, eigene Arbeitskleidung

Und seither ziehen die beiden immer wieder auf österreichische Baustellen, achten sehr darauf, immer zusammen zu bleiben, "im eigenen Bereich", mit eigenem Werkzeug, eigener Arbeitskleidung, "damit da ja kein Missverständnis entsteht". Österreichern begegnen sie dabei kaum. "Höchstens die Elektroinstallateure, das machen die Österreicher." Die anderen seien Serben, Slowaken, Polen. Und Deutsche eben, die um die Hälfte arbeiten.

Privatkunden haben die beiden – noch – kaum. Was auch daran liegt, dass ihnen Werbung gewissermaßen verboten ist. Prospekte dürfen sie nicht verteilen, eine österreichische Telefonnummer würde eine österreichische Steuernummer nach sich ziehen. Wer István Unger sein Bad anvertrauen will, muss 0036-20-9-619-965 rufen, dort hebt er dann ab, auch auf Deutsch, wenn es sein muss: "Es geht schon, in der Fachsprache sowieso." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.3.2006)

  • Fliesenleger, auch auf österreichischem Boden, und zwar legal: István Unger und Tamás Faragó.
    foto: standard/andy urban

    Fliesenleger, auch auf österreichischem Boden, und zwar legal: István Unger und Tamás Faragó.

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