"Standpunkte weit entfernt"

21. März 2006, 20:06
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Statusverhandlungen in Wien fortgesetzt

Wien - "Aufbau eines demokratischen Kosovo für alle Bürger" und "die Unabhängigkeit": So definierte der kosovo-albanische Delegationsleiter Hashim Thaci am Freitag in der Früh die Ziele der Verhandlungen zwischen Kosovo-Albanern und Serben über den zukünftigen Status des Kosovo, vor der zweiten Gesprächsrunde im Wiener Palais Auersperg.

Die serbische Seite sah das naturgemäß anders - Belgrad lehnt eine Unabhängigkeit der Provinz ab. Aber um diese Kernfrage ging es am Freitag noch nicht. Die Themen: die finanzielle Unterstützung der serbischen Gemeinden im Kosovo durch Belgrad sowie die Beziehungen dieser Gemeinen untereinander und zu Serbien. "Die Standpunkte scheinen noch sehr weit auseinander zu sein - immer noch", hieß es vonseiten der serbischen Delegation um die Mittagszeit. Auch ein kosovo-albanischer Vertreter inhaltlich noch keine wirklichen Fortschritte erkennen.

Ärger um Thaci

Für Ärger auf serbischer Seite hatte im Vorfeld die Ernennung Thacis zum Delegationsleiter gesorgt. Er führte unter anderem die "Kosovo-Befreiungsarmee" (U¸CK); in Serbien liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor und es wird wegen Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg 1998/1999 gegen ihn ermittelt.

Vor den Gesprächen überreichte die serbische Delegation UNO-Chefverhandler Martti Ahtisaari ein Protestschreiben gegen Thaci als Verhandlungsführer. Sie sei besorgt, dass "die aktive Teilnahme Thacis an den Gesprächen es viel schwieriger machen wird, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und wirklichen Fortschritt in den Verhandlungen zu erzielen", heißt es darin. Die kosovo-albanische Seite reagierte nicht: "Das ist nur eine formale Sache." (raa/DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2006)

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