"Ich habe nie für Haider gearbeitet!"

20. März 2006, 12:39
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Agnes Husslein-Arco, Direktorin der Österreichischen Galerie ab 2007, im STANDARD-Interview über ihre Ziele

Agnes Husslein-Arco wurde am Freitag zur Direktorin der Österreichischen Galerie ab 2007 bestellt. Im Gespräch mit Thomas Trenkler erklärt sie ihre großen Ziele. Ob sie in Kärnten auch den zweiten Teil der Ausstellung "Eremiten – Kosmopoliten" realisiert, ist fraglich.

Standard: Was war der ausschlaggebende Grund für Ihre Bestellung? Dass Ihr Kontrahent Peter Pakesch kein abgeschlossenes Kunstgeschichtestudium vorweisen konnte?

Agnes Husslein-Arco: Nein. Ausschlaggebend war, wie ich hoffe, meine Kompetenz, also was ich in Salzburg als Direktorin des Museums der Moderne geleistet habe. Ich denke, ich konnte der Bestellungskommission vermitteln, dass mir die österreichische Kunst ein wirkliches Anliegen ist.

Standard: Ingried Brugger, die Direktorin des Kunstforums, kritisierte, dass der Chef des Kunsthistorischen Museums über die Leitung eines Konkurrenzbetriebes mitbestimmte. Müssen Sie ihm nun danken?

Agnes Husslein-Arco: Die Jury hat ja nicht nur aus Wilfried Seipel bestanden. Und die Entscheidung für mich fiel einstimmig. Ich glaube auch nicht, dass ich von Seipel bevorzugt behandelt wurde: Er hat mich beim Hearing richtig karnifelt.

Standard: Mit welchem Konzept sind Sie angetreten?

Agnes Husslein-Arco: Das Ziel muss sein, die Österreichische Galerie (ÖG) beim breiten Publikum zu implementieren, sie zu einem Ort zu machen, wo man einfach hingehen muss. Und wo man nicht nur Klimt und Schiele sieht, weil die ÖG wesentlich mehr zu bieten hat. Sie soll wirklich das Museum der österreichischen Kunst werden und die Position einnehmen, die ihr gebührt: Sie muss gleichberechtigt mit dem Musée d’Orsay und der Tate Britain die dritte Säule der großen europäischen Nationalmuseen sein! Das heißt auch, dass ich bei Großausstellungen Kooperationen anstrebe – zum Beispiel mit der Neuen Galerie in New York, mit dem Städel Frankfurt oder Museen in Osteuropa.

Standard: Ist ein Nationalmuseum nicht längst obsolet? Die Ausrichtung der ehemaligen Staatsgalerie auf österreichische Kunst erfolgte erst nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches – als identitätsstiftendes Projekt. In einem vereinten Europa aber . . .

Agnes Husslein-Arco: Gerade in einem vereinten Europa ist es wichtig, die kulturelle Identität immer wieder aufzuarbeiten. Deshalb will ich auch nicht nur auf Klimt und Schiele setzen, sondern auch nicht so bekannte Künstler präsentieren. Aber im internationalen Kontext.

Standard: 80 Prozent der Besucher sind Touristen: Die wollen gar nichts anderes als Klimt und Schiele. Hat es daher Sinn, das Obere Belvedere zu verändern? Es ist ein Selbstläufer.

Agnes Husslein-Arco: Aber auch mit dem Selbstläufer kann man arbeiten, indem man eben die Schausammlung verändert. Viele Touristen schauen sich nur den Garten und das Schloss an – und gehen nicht hinein. Da gibt es noch ein großes Potenzial! Zudem hat die ÖG mit dem 20er-Haus von der Lage her eine tolle Zukunftschance, wenn der Zentralbahnhof realisiert wird.

Standard: Sie werden das Moderne-Konzept von Direktor Gerbert Frodl übernehmen?

Agnes Husslein-Arco: Das Wichtigste ist, dass man das Haus bespielen kann, also die Restaurierung und die Erweiterung nach den Plänen von Adolf Krischanitz. Ich sehe den Pavillon natürlich auch als 21er-Haus.

Standard: Das Atelier im Augarten ist auf die zeitgenössische Kunst spezialisiert. Es hat aber kaum Besucher.

Agnes Husslein-Arco: Das Atelier wird super bespielt, aber die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist schlecht, und es ist echt schwierig zu finden. Das Leitsystem muss sofort verbessert werden. Ich werde intensiv darüber nachdenken.

Standard: Sie sitzen im Vorstand des Leopold Museums, das ebenfalls österreichische Klassische Moderne präsentiert. Werden Sie Ihre Funktion wegen Unvereinbarkeit aufgeben? Oder möchten Sie sich weiterhin Informationen über die Konkurrenz verschaffen?

Agnes Husslein-Arco: Das Leopold Museum ist keine Konkurrenz. Die beiden Museen ergänzen sich. Wichtig ist die Kooperation: Man sollte sich absprechen über die Programme, und es gibt sicher auch Synergien. Aber ich muss nicht unbedingt im Vorstand sein.

Standard: Wäre eine Fusion der beiden Häuser sinnvoll?

Agnes Husslein-Arco: Die Frage stellt sich im Moment nicht. Professor Leopold ist Direktor auf Lebenszeit, er ist froh und munter, er ist voller Ideen.

Standard: Ich höre, Sie wollen weiter für Jörg Haider arbeiten.

Agnes Husslein-Arco: Ich habe nie für Haider gearbeitet! Auch nicht für Schausberger. Ich habe die Ausstellung Eremiten – Kosmopoliten für das Land Kärnten realisiert. Und ich wurde gefragt, ob ich auch den Teil 2 über den Zeitraum 1945 bis heute machen möchte. Man hat mir im Herbst 2005 einen Vertragsentwurf zugeschickt, aber seither habe ich nichts mehr gehört. Ich hätte das gern gemacht. Das wäre für die Kärntner Künstler eine tolle Sache! Aber ich sehe das jetzt als sehr schwierig an.

Zur Person

Agnes Husslein-Arco, 1954 geboren, ist eine Enkelin des Malers Herbert Boeckl. 1981 bis 2000 war sie Geschäftsführerin von Sotheby’s Österreich. Sie verlor den Job, weil sie mit ihrem Mann Peter, einem Gynäkologen, im Wahlkampf 1999 den FPÖ-Spitzenkandidaten Thomas Prinzhorn in ihren Salon eingeladen hatte. 2001 übernahm sie die Direktion des Salzburger Rupertinums, das sie, erweitert durch den Neubau am Mönchsberg, zum Museum der Moderne umgestaltete. Ihr Vertrag lief Ende 2005 aus. (DER STANDARD, Printausgabe vom 18./19.3.2006)

  • Agnes Husslein, geborene Arco: Ihr schwebt als designierter Direktorin 
der Öster-reichischen Galerie Großes vor. "Sie muss gleich-berechtigt mit dem Musée d'Orsay und der Tate Britain die dritte Säule der großen europäischen Nationalmuseen sein!"
    foto: christian fischer

    Agnes Husslein, geborene Arco: Ihr schwebt als designierter Direktorin der Öster-reichischen Galerie Großes vor. "Sie muss gleich-berechtigt mit dem Musée d'Orsay und der Tate Britain die dritte Säule der großen europäischen Nationalmuseen sein!"

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