Europa: Positives Umfeld

21. März 2006, 19:01
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Leitbörsen konnten in der vergangenen Handelswoche abermals zulegen und befinden sich nun bereits in Nähe ihrer 5-Jahres-Hochs. Während der EuroStoxx-50 um 1,6% stärker tendierte, befestigte sich der DAX sogar um mehr als 2%. Getrieben wurden die Kurse hauptsächlich von Übernahmespekulationen sowie guten Unternehmenszahlen.

Der im MDAX notierte Pharmakonzern Merck plant den Berliner Konkurrenten Schering für 77 Euro je Aktie (Gesamtwert der Transaktion EUR 14,63 Mrd.) zu übernehmen. Das Bar-Angebot wurde nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates postwendend als zu niedrig abgelehnt, der Vorstand von Schering betonte, dass dieses Angebot die Gesellschaft und ihre Zukunftsaussichten als unabhängiger Pharmaspezialist erheblich unterbewertet. Merck hofft indes auf Schützenhilfe des Großaktionärs Allianz AG und schließt eine Anhebung der Offerte nicht aus. Sollte die Übernahme gelingen, so ergäben sich jährliche Synergien in Höhe von EUR 500 Mio.

Auch im Bereich der Börsenbetreiber könnte es zu einer weiteren Branchenkonsolidierung kommen. So legte die amerikanische NYSE ein Übernahmeangebot für die London Stock Exchange. Die LSE lehnte das Angebot von 950 Pence je Aktie (EUR 3,5 Mrd.) jedoch als unzureichend ab und verweist dabei auf wesentlich höhere Synergieeffekte. Im Soge dieser Spekulationen wird ein Zusammenschluss der Deutschen Börse und der 4-Länder-Börse Euronext immer wahrscheinlicher, Anteilsscheine der Deutschen Börse avancierten mit einem satten Kursplus von 14% zum zweitstärksten Indexwert.

Des Weiteren befanden sich Finanzwerte im Fokus der Anleger, nachdem ein Pressebericht Spekulationen über ein bevorstehendes Übernahmeangebot für die französische Großbank Société Générale durch den amerikanischen Wettbewerber Citigroup schürte. Die Aktie der französischen Großbank konnte im Wochenverlauf um knapp 10 % zulegen, auch Mitbewerber wie Deutsche Bank, ING, BNP Paribas oder auch ABN Amro tendierten fester.

Der vom Automobilkonzern BMW präsentierte Ausblick für das laufende Fiskaljahr konnte überzeugen. So sollte das Vorsteuerergebnis auf EUR 4 Mrd. ansteigen und die Absatzzahlen aufgrund von Vorzieheffekten stark zulegen. Die Aktie legte um mehr als 7 % zu. Der Versicherungskonzern Allianz AG gab seine Kennzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2005 bekannt. Danach belief sich der Gesamtumsatz auf EUR 100,9 Mrd., gegenüber EUR 96,6 Mrd. Das operative Ergebnis verbesserte sich von EUR 6,84 Mrd. auf EUR 7,74 Mrd. und der Jahresüberschuss konnte von EUR 2,27 Mrd. auf EUR 4,38 Mr. nahezu verdoppelt werden.

Aufgrund der überwiegend guten Ergebnisse, der zunehmenden M&A-Aktivitäten sowie der nach wie vor moderaten fundamentalen Bewertung gehen wir weiterhin von einem positiven Marktumfeld in Europa aus.

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