Ölige Debatte

21. Juli 2006, 12:59
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Wenn "Extra Virgine"-Olivenöl draufsteht, muss nicht immer solches drin sein - Gourmets kritisieren mangelnde Produktdeklaration

Hamburg - In den Supermärkten ist die Produktpalette an Olivenöl groß ud beinahe unübersichtlich. Deshalb fordern die Gourmet-Magazine "Der Feinschmecker" und "Merum" von der EU bessere Qualitätsregelungen und Produktdeklarationen.

Drei Klassen

Derzeit wird bei den nativen Olivenölen zwischen drei Klassen unterschieden: "Natives Olivenöl Extra" (u.a. mit höchsten 0,8 Gramm Ölsäure pro 100 Gramm), "Natives Olivenöl" (höchstens zwei Gramm Ölsäure pro 100 Gramm) und Lapantöl (mehr als zwei Gramm Ölsäure pro 100 Gramm). Daneben gibt es noch "Olivenöl" als Verschnitt von raffiniertem mit nativem Öl (außer Lapantöl) und Oliventresteröl (Verschnitt aus Tresteröl und nativem Öl außer Lapantöl).

"Seit Jahren sind im Markt kaum mehr Olivenöle anderer Kategorien als 'Nativ Extra' (Extra Virgine etc.) anzutreffen. Selbst der Eingeweihte fühlt sich zur Frage gedrängt, ob es denn kein zweitklassiges Öl mehr gebe? Wo fließt es hin?", fragt "Merum".

Mindere Qualität

Es bestehe einfach ein Mengenproblem: "Der weitaus größte Teil des weltweit erzeugten Öls ist von minderwertiger Qualität. Es ist weit entfernt davon, die heute geltenden gesetzlichen Anforderungen für 'Nativ Extra' zu erfüllen. Wenn nun aber der größte Teil des vermarkteten Olivenöls gleichwohl 'Nativ Extra' ist, dann geht die Rechnung nicht auf. Wie ist möglich, dass in der Praxis nur noch 'Natives Olivenöl Extra' auf unsere Tische gelangt, wenn das Hauptprodukt des Olivensektors Lapantöl (minderwertiger Verschnitt, Anm.) ist?", heißt es in dem Magazin weiter.

Preisschere

Nicht erklärbar seien auch die Preise für das im Handel angebotene Olivenöl: "Nicht nachvollziehbare Preisspannen von drei Euro bis 20 Euro für eine Halbliterflasche 'Natives Olivenöl Extra' verunsichern die Verbraucher." Tester hätten mehrfach Etikettenschwindel aufgedeckt: "Soll der schädlichen Verwirrung ein Ende bereitet werden, dann müssten neun von zehn Flaschen vom 'Extra Virgine'-Regal verschwinden."

"Olivenöl-Manifest"

Gemeinsam mit dem Hamburger Magazin "Der Feinschmecker" wird deshalb ein "Olivenöl-Manifest" von den beiden Publikationen veröffentlicht.

  • Ehrlichkeit bei der Angabe der Qualität: "Wir können nicht hinnehmen, dass vor allem Lebensmittelindustrie und Großabfüller Waren in großem Stil unter falschen Namen anbieten."

  • Transparenz bezüglich der Herkunft: "Olivenöl Extra Nativ" sollte nur der höchsten Qualitätsklasse vorbehalten bleiben. Die Herkunft der Oliven (Land) sollte auf dem Etikett angegeben sein (freiwillig auch die genauere Herkunft).

  • Offizielle Verkostungsgruppen sollten regelmäßig in die Qualitätskontrolle eingeschaltet werden.

  • Wie beim Wein sollte es für Olivenöl höchster Qualität eine Jahrgangsbezeichnung geben (z.B. Winter 2005/2006).

  • Die vorgeschriebene Angabe der Mindesthaltbarkeit sollte durch das Abfülldatum ersetzt werden, weil ersteres weitgehend dem Gutdünken der Erzeuger überlassen bleibe.

  • Ebenfalls auf dem Etikett sollte die Konzentration an Polyphenolen (Milligramm pro Liter) und die verwendete Analysemethode zwingend angegeben werden müssen. Der Hintergrund: Je mehr freie Fettsäuren ("Ölsäuren") enthalten sind, desto minderwertiger ist das native Olivenöl.

  • Durch das Vorschreiben neuer Analysemethoden müsse der offenbaren Hitzebehandlung minderwertiger Olivenöle zur "Verbesserung" Einhalt geboten werden. (APA)
    • Große Auswahl, aber nicht immer stimmt die ausgewiesene Qualität.
      foto: der standard/matthias cremer

      Große Auswahl, aber nicht immer stimmt die ausgewiesene Qualität.

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