Von null auf gigantisch in einer Billionstel Sekunde

27. März 2006, 13:19
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Satellitendaten stützen Inflationstheorie über die Entstehung des Universums: Ausdeh­nung beim Urknall erfolgte mit enormem Tempo

Washington - Das Universum blähte sich bei seiner Entstehung in weniger als dem sprichwörtlichen Augenblick von einem Punkt zu astronomischer Größe auf. Diese bereits vor einigen Jahrzehnten entwickelte Inflationstheorie wird nun von neuen Daten gestützt, die ein Satellit der Weltraumbehörde NASA gesammelt hat, berichteten mehrere wissenschaftliche Einrichtungen in den USA am Donnerstag.

Demnach dehnte sich das Universum beim Urknall in weniger als einer Billionstel Sekunde - dem Millionstel einer Millionstel Sekunde - von einem subatomaren Flimmern zum Weltraumgiganten aus.

Bekannte Materie in der Minderheit

Die Erkenntnisse basieren auf den Daten des Satelliten WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe), der seit 2001 Temperaturschwankungen im Kosmos auf weniger als ein Millionstel Grad genau misst. Damit erfasst er auch das Nachleuchten des ältesten Lichts im Universum überhaupt. Vergleichsweise heiße Stellen korrespondieren dabei mit Materie-Ansammlungen, die später zu Galaxien wurden. Verschiedene "WMAP-Teams" analysierten mit Hilfe der Satelliten-Daten die Menge blendenden Lichts, die während der superschnellen Ausdehnung des Universums vor geschätzten 13,7 Milliarden Jahren entstand.

"Die Beobachtungen sind spektakulär und die Schlussfolgerungen atemberaubend", zitierte die Zeitung "USA Today" den Physiker Brian Greene von der Columbia-Universität in New York. Danach deuten die Daten zudem darauf hin, dass nur vier Prozent des Universums aus den bislang bekannten Atomen bestehen, 22 Prozent dagegen aus bisher noch nicht identifizierter schwarzer Materie und 74 Prozent aus mysteriöser dunkler Energie. Diese Energie bewirkt den Forschern zufolge das derzeitige weitere Wachstum des Universums - das zum Glück für die Menschheit deutlich sanfter ausfällt als der erste.

Erste Sterne nach 400 Millionen Jahren

Wie es in den Mitteilungen des Goddard-Raumfahrzentrums der NASA und der Johns-Hopkins-Universität in Maryland heißt, zeigt das Licht an, wie viel Raum Elektronen damals hatten, um von einander abzuprallen. Dies lasse Rückschlüsse auf die Größe des Kosmos in seiner Entstehungsphase zu. Sterne zum Beispiel erschienen der Daten-Auswertung zufolge erstmals 400 Millionen Jahre nach der Entstehung des Universums - ein wenig später als bisher geschätzt.

An den WMAP-Auswertungen sind neben dem Goddard-Zentrum und der Johns Hopkins University weitere US-Universitäten sowie das Kanadische Institut für Theoretische Astrophysik in Toronto beteiligt. Namensgeber des Satelliten war David Wilkinson, ein Pionier der Analyse kosmischer Hintergrund-Strahlungen. (APA/dpa)

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    Schematische Darstellung der universellen Expansion

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    Die WMAP-Daten ermöglichen ein detailliertes Bild des jungen Universums als bisher: Rote Markierungen stehen für "heißere" Regionen, blaue für "kältere". Die weißen Balken zeigen die Richtung der "Polarisation" des ältesten Lichts an.

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