22. März 2006, 11:43
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Der FC Bayern München und Bastian Schweinsteiger haben am Freitag mit umfangreichen juristischen Schritten auf die Berichterstattung der Münchner Tageszeitung "tz" über eine angebliche Verstrickung des DFB-Teamspielers in den deutschen Fußball-Wettskandal reagiert. Spieler und Klub würden "mit allen rechtlichen Mitteln" gegen die Darstellung vorgehen, sagte Manager Uli Hoeneß bei einer Pressekonferenz.

Hoeneß kündigte einen Fünf-Punkte-Katalog an, mit dem Verein und Spieler gegen die Berichterstattung vorgehen werden. Die Schritte umfassen die Aufforderung zu einer Unterlassungserklärung, einen Widerruf der "rechtswidrigen Behauptungen", eine Gegendarstellung sowie einen Strafantrag Schweinsteigers "wegen übler Nachrede" gegen die redaktionell Verantwortlichen.

"Bis auf weiteres" ein Hausverbot gegen Zeitung

Außerdem behalten sich Spieler und Verein die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen vor. Zudem verhängte der Bayern-Vorstand "bis auf weiteres" ein Hausverbot gegen die Boulevard-Zeitung.

Die Berichterstattung kommentierte Hoeneß mit den Worten: "Pfui Teufel!" Schweinsteiger "hat nichts verbrochen", sagte Hoeneß. "Was die 'tz' gestern gemacht hat, ist Wahnsinn" und "eine Sauerei". Der Manager warf aber auch dem Fernsehsender N-TV eine unverantwortliche Berichterstattung vor. N-TV habe "in unglaublich aufreißerischer Art und Weise ohne Überprüfung der Fakten" die unhaltbaren Vorwürfe durchs ganze Land verbreitet.

Unterstützung erhielt der 21-jährige Schweinsteiger auch von DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann. Die Veröffentlichungen nannte er unverantwortlich. "Wir alle wissen, dass die Berichterstattung keinen Hintergrund hat", sagte er in Warschau.

TSV 1860 München: Rechtliche Schritte vorbehalten

Auch Zweitligist TSV 1860 München prüft juristische Maßnahmen gegen "tz", die auch die Sechziger-Spieler Quido Lanzaat und Paul Agostino mit dem Wettskandal in Verbindung gebracht hatte. "Wir werden uns auf jeden Fall rechtliche Schritte vorbehalten", sagte "Löwen"-Manager Stefan Reuter. "So lange keine Fakten auf dem Tisch liegen, werden wir die Spieler schützen." Coach Walter Schachner kommentierte die Vorkommnisse so: "Ich glaube den Spielern und dadurch ist für mich der Fall erledigt."

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft München I erneut klargestellt, dass derzeit kein Spieler für eine Vernehmung vorgesehen sei. "Es gibt keine Ladung oder eine Einladung an Bastian Schweinsteiger, oder irgendeinen anderen Spieler, um sie bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft zu vernehmen", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler.

Kein offizielles Statement der "tz"

Die Tageszeitung relativierte am Freitag ihre Meldung vom Donnerstagabend, nach der die drei Spieler "angeblich bereits von der Polizei verhört" worden seien. In der später erschienenen Version schrieb das Blatt: "Die tz bleibt bei ihrer Aussage, dass die drei Spieler im Zusammenhang mit dem Wettskandal von der Polizei verhört werden." "Auch das kann ich nicht bestätigen", sagte Winkler. Ein offizielles Statement war am Freitag von dem Boulevard-Blatt nicht zu erhalten. Es handle sich um ein schwebendes juristisches Verfahren, es werde keine Stellungnahme geben, hieß es aus der Chefredaktion.

Derzeit ist laut Oberstaatsanwalt Winkler noch offen, ob und wann ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Wettskandal eröffnet wird. Einen Zeitrahmen für die Entscheidung gebe es nicht. "Wir bemühen uns, die Informationen gründlich zu prüfen, um schnell Sicherheit und Klarheit in die Angelegenheit zu bekommen", sagte Winkler. Den Informanten, auf den sich unter anderem die ARD-Sendung "plusminus" und das Sat.1-Magazin "Akte 06" berufen hatten, kenne die Staatsanwaltschaft nicht. (APA/dpa/AP)

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