Pandemie: Erstmals große Übung in Österreich

19. März 2006, 18:14
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Intensivseminar mit Ärzten, Rotem Kreuz und Bundesheer in Linz

Linz - Das durch die Weltgesundheitsorganisation WHO im Pandemieplan vorgeschriebene Szenario wird nun erstmals in Österreich in großem Rahmen in der Praxis durchgespielt. Zu der Übung im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, die Freitagnachmittag stattfindet, werden mehr als 50 Teilnehmer - darunter Ärzte, Rot-Kreuz-Mitarbeiter und Vertreter des Bundesheeres - erwartet. Ein derartiges Intensivseminar zahle sich mit Sicherheit aus, betonten die Verantwortlichen in einem Pressegespräch in Linz. Nach weltweiten Schätzungen würde im Fall einer Pandemie jeder vierte Österreicher erkranken.

Rund zwei Millionen Krankheitsfälle müssten dann verzeichnet werden, rechnete Martin Haditsch, Übungsleiter und Sekretär der Österreichischen Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin, vor. Die Hälfte davon würde einen Arzt aufsuchen, es käme zu etwa 30.000 stationären Aufnahmen. Das Krankenhaus der Elisabethinen beispielsweise wäre dadurch voll belegt, so Haditsch. An die 8.000 Todesfälle müssten beklagt werden.

Um für dieses Szenario gerüstet zu sein, wird in dem Linzer Spital der Ernstfall in einem Intensivseminar geprobt: Ein an einer unbekannten Infektion erkrankter Patient wird in das Krankenhaus eingeliefert. Auf dem Weg in die Quarantänestation muss sichergestellt werden, dass das Virus weder auf das Personal noch auf andere Menschen übertragen wird.

Bei der Übung werde ein normales Krankenzimmer mit einfachen Mitteln so adaptiert, dass es für den Krisenfall geeignet sei, erklärte Haditsch. Zudem werde das richtige An- und Ausziehen von Schutzkleidung demonstriert. Durch geeignete Maßnahmen ließen sich bei einer Pandemie die Zahl der stationären Aufnahmen um 60 Prozent und die die Todesfälle um die Hälfte reduzieren, unterstrich Haditsch die Notwendigkeit des Seminars.

"Wir gehen wieder vermehrt einer Zeit von Infektionskrankheit entgegen", warnte der oberösterreichische Landessanitätsdirektor Stefan Meusburger. Die Reisetätigkeit nehme stark zu, man gelange immer schneller von einem Ort zum anderen. Bereits ein Drittel aller weltweiten Todesfälle werde durch Infektionen verursacht, berichtete der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin, Universitätsprofessor Helmut Mittermayer. Das Bewusstsein für Basismaßnahmen wie Händewaschen müsse bei der Bevölkerung gestärkt werden. (APA)

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