Schönbrunn: UNESCO stutzt das Hochhaus

19. März 2006, 18:56
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Das Projekt für die Kometgründe in Meidling muss "tiefgreifend überarbeitet" werden, stellte die Welterbe-
organisation Unesco fest

Ein städtebaulicher Akzent sei möglich - aber sicher kein 120-Meter-Turm.


Ein Wiener Welterbe steht wieder einmal auf dem Prüfstand der Welterbeorganisation Unesco. Diesmal ist es aber nicht die Innenstadt und der Turmbau zu Wien-Mitte - sondern Schönbrunn und der Turmbau zu Meidling.

Ursprünglich hatte der Investor "HPD Holding" geplant, auf den Meidlinger Kometgründen unmittelbar neben der Pufferzone des Welterbes Schönbrunn ein 120 Meter hohes Hochhaus zu errichten. Als der STANDARD im Dezember 2004 exklusiv Visualisierungen des Vorhabens präsentierte, löste dies eine heftige Diskussion um das Projekt aus - und rief auch die Unesco auf den Plan.

Nun wurde eine Expertengruppe der Welterbeorganisation drei Tage lang durch Wien geführt. Auf dem Programm standen unter anderem Präsentationen des Projektes sowie stundenlange Lokalaugenscheine auf den Kometgründen, in Schönbrunn.

Tiefgreifende Überarbeitung

Bei der Abschlussdiskussion am Freitagabend wurde nun ausdrücklich festgehalten, "dass es eine tiefgreifende Überarbeitung des Projektes geben muss", wie Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP) im STANDARD-Gespräch berichtet. "Es ist nun klar, dass 120 Meter dort keinen Platz haben - es wurde von den Experten anerkannt, dass am Tor zu Meidling ein städtebaulicher Akzent gesetzt werden kann, aber sie betonten auch, dass es einen Bezug zu Schönbrunn gibt." Eine bestimmte Höhe wurde nicht festgelegt.

Einen entsprechenden Bericht der Experten soll im Juni der Unesco vorgelegt werden. Schicker am Freitag: "Ich habe immer gesagt, dass ich mir an diesem Standort 60 Meter und alles darunter vorstellen kann. Dass das Projekt überarbeitet werden muss, entspricht der Juryentscheidung und den Bezirksbeschlüssen. Heute hat der Investor halt von dritter Seite bestätigt bekommen, was er vielleicht von zwei Seiten noch nicht geglaubt hat."

Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker betonte, dass er "sicher nicht generell gegen architektonische Akzente" sei. "Ich frage mich nur, warum ausgerechnet dort ein Hochhaus notwendig sein soll." Am sinnvollsten wäre es, "wenn man einmal grundsätzlich klären würde, was im Umfeld eines Welterbes möglich ist und was nicht. Dann erspart man sich diese ständigen Canossagänge." (DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.03.2006)

Roman David-Freihsl
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine neue Visualisierung des Projekts in Meidling - mit der Annahme eines 80-Meter-Hochhauses

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