Rekruten-Schikane in Wien: 3.000 Euro Strafe für Major

19. März 2006, 17:36
29 Postings

Urteil: Befehl zum Kaffeebringen steht in keiner Beziehung zum militärischen Dienst

Wien - Die Lust auf Kaffee dürfte einem Major des österreichischen Bundesheers am Freitag gründlich vergangen sein. Weil er einem jungen Rekruten in der Unteroffiziersmesse einer Wiener Kaserne ungerechtfertigterweise den Befehl erteilt hatte, ihm sofort eine Melange zu bringen, wurde der 42-jährige Offizier zu einer unbedingten Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt. Die Strafe ist nicht rechtskräftig. Der Major legte gegen die Verurteilung volle Berufung ein. Gegen ihn läuft nun ein Disziplinarverfahren.

Missbrauch seiner Dienststellung

Für Richter Wilhelm Mende, der beim Heer selbst die Offizierslaufbahn eingeschlagen hat, ehe er Jus zu studieren begann, erfüllte das Verhalten des Majors den Tatbestand des Paragrafen 34 Militärstrafgesetz (MilStG). Demnach macht sich ein Vorgesetzter des Missbrauchs seiner Dienststellung schuldig, wenn er einem Untergebenen einen Befehl erteilt, der in keiner Beziehung zum militärischen Dienst steht.

Zwischenfall in der Unteroffiziersmesse

Der Zwischenfall ereignete sich in der Unteroffiziersmesse, wo der 21-Jährige als Ordonnanz eingesetzt war. Knapp vor 8.00 Uhr in der Früh betrat der Major mit einem Hauptmann den Raum, um eine Besprechung bei einer morgendlichen Melange ausklingen zu lassen.

Der zum Kellnerdienst abkommandierte Soldat nahm die Bestellung allerdings nicht mehr entgegen, da die Messe um Punkt 8.00 Uhr geschlossen wurde und er zuvor noch die reichlich vorhandenen anderen Gäste abkassieren musste. "Das ist so in der Hausordnung gestanden. Das hat man uns beigebracht, damit wir pünktlich um 8.00 Uhr mit dem Putzen anfangen können", erläuterte er jetzt im Grauen Haus seine damalige Vorgangsweise.

Kein Kaffee

Diese dürfte den Major ziemlich erbost haben. Angeblich schnellte er in die Höhe, gab sich als Offizier zu erkennen und erteilte dem jungen Mann den Befehl, ihm stante pede den Kaffee zu bringen. Worte wie "Ich werd' Ihnen gleich zeigen, mit wem Sie es zu tun haben!" sollen gefallen sein. Augen- und Ohrenzeugen hörten, wie der Major sogar ankündigte, er werde den jungen Mann verhaften lassen, falls er nicht rasch spure.

"Es kam zu keiner Festnahme. Und Kaffee hab' ich auch keinen gekriegt", hielt dem der angeklagte Offizier entgegen. Er betonte, er habe den Rekruten "bloß abgemahnt", weshalb er sich nur "nicht schuldig im Sinne der Anklage" bekennen könne.

Gedächtnisprotokoll

Zu seinem Pech war in der Unteroffiziermesse allerdings auch ein Oberst in Zivil gesessen. "Das war äußerst unangenehm für alle Gäste. Laut war eigentlich nur einer, nämlich der Major", sagte dieser nun im Zeugenstand. Der junge Soldat habe sich "völlig pflichtgemäß" verhalten. Als er noch am selben Tag Kenntnis davon erlangt hatte, dass dieser auf Anordnung des Majors zum Rapport beordert und bestraft werden sollte, habe er daher ein Gedächtnisprotokoll angelegt, so der Oberst: "Ich hab' mir gedacht, so geht das einfach nicht. Der war ja völlig schuldlos."

Die Sache wurde zur Anzeige gebracht, da der 21-Jährige nach Ableistung seines Präsenzdienstes eine offizielle Beschwerde einreichte. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Aufzeichnungen des Oberst bekannt. (APA)

Share if you care.