Pilz macht Frosch im US-Nationalpark zu schaffen

19. März 2006, 14:00
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Biologe: "Es ist ein massenhaftes Aussterben im Gang" - Froschsterben begann mit Ansiedlung von Forellen für Angler

Yosemite-Nationalpark/USA - Der Gebirgs-Gelbschenkelfrosch ist hart im Nehmen: Jahrtausende lang hat seine Art in gletscherbedeckten Seen und Flüssen überlebt. Ganze neun Monate am Stück harrt er unter Eis und Schnee aus, um anschließend laut krächzend in der Sierra Nevada zu quaken. Seine Laute verstummen aber zusehends, weil ein rätselhafter Pilz den Frosch an den Rand des Aussterbens bringt - und das an seinem einzigen Zufluchtsort, den Nationalparks.

"Es ist ziemlich dramatisch", sagt Lara Rachowicz, Biologin im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien. "In einem Jahr besucht man einen See, und die Frosch-Population scheint in Ordnung. Im folgenden Jahr sieht man dort jede Menge tote Tiere, die verstreut auf dem Grund des Sees liegen. In einigen Jahren ist die Population dann völlig verschwunden."

Populationen

Ungefähr 650 Populationen gibt es noch in den Nationalparks Yosemite, Sequoia und Kings Canyon. In den meisten Seen leben aber viel zu wenig Frösche, um den Fortbestand zu garantieren. Zudem sind 85 Prozent bereits mit dem tödlichen Pilz infiziert. Vorbei die Zeiten, in denen die Frösche die Seen so dicht besiedelten, dass ihre Kaulquappen das flache Gewässer zum Schäumen brachten.

Der Beginn des Sterbens

Das Froschsterben begann, als Forellen in die Seen der Gegend geschafft wurden - anfangs auf Maultieren mit Eimern, danach aus der Luft per Flugzeug, damit Angler genug Beute haben. Der gefräßige Fisch, der immer noch dorthin gebracht wird, hinterlässt aber nur wenige Froschbestände, verstreut über weit auseinander liegende Seen in bis zu 3.900 Metern Höhe.

Und obwohl die verbleibenden Frösche innerhalb der schützenden Grenzen einiger der beliebtesten Nationalparks des Landes leben, können sie dem Pilz-Angriff nicht entkommen. Denn angesichts der mit Forellen besetzten Gewässer können sie nicht weit genug wandern, um von dem Pilz verwüstete Gegenden neu zu bevölkern.

Entwicklung

In den vergangenen fünf Jahren sei die Gesamtpopulation jährlich etwa um zehn Prozent geschrumpft, sagte Rachowicz im Jänner während eines Expertentreffens zur Rettung der Froschart. Der Pilz, der auch mit dem Aussterben von Amphibien in Australien und Costa Rica in Verbindung gebracht wird, tötet die Frösche, während er auf ihrer Haut wächst. Er macht es den Tieren nahezu unmöglich, über ihre Poren die Wasseraufnahme zu regulieren. So verdursteten die Frösche im Wasser, erklärt die Biologin.

Auswirkungen

Eigentlich müssten sie als bedrohte Tierart eingestuft werden, dem U.S. Fish and Wildlife Service fehlen allerdings die finanziellen Mittel, das Verfahren abzuschließen, und so bleibt der Frosch auf der Warteliste. In wenigen Jahren könnte der Frosch gänzlich verschwunden sein, wodurch die Nahrungskette in dem Gebiet auseinander brechen würde. Sein Verschwinden hätte nach Angaben von Forschern Auswirkungen auf rund 300 Arten in dem rauen Hochland, angefangen bei den Insekten, von denen die Frösche leben, bis hin zur Strumpfbandnatter und den Kojoten, die wiederum die Frösche fressen.

"Massenhaftes Aussterben"

"Es ist ein massenhaftes Aussterben im Gang", erklärt der Biologe J. Alan Pounds, der die Erderwärmung für das vermehrte Wachstum des Pilzes verantwortlich macht. Seine Erkenntnisse darüber hat er in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht. Pounds kommt zu dem Schluss, dass die Erderwärmung günstige Bedingungen für den Pilz geschaffen habe, womit er das Verschwinden von 65 Froscharten binnen zwei Jahrzehnten allein in Costa Rica erklärt.

Rettungsansätze

Bislang gibt es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zusammenhang von Klimawandel und der Pilz-Ausbreitung in der Sierra Nevada. Auf Studien könne man aber nicht warten, betonen die Forscher, die sich im Januar im Nationalpark getroffen haben. Derzeit prüfen sie, ob die Tiere in Gefangenschaft gezüchtet werden können, was bislang noch nicht gelungen ist. Darüber hinaus könnten Frösche dort wieder angesiedelt werden, wo sie einst verschwunden sind. Eine weitere Maßnahme - wohl sehr zum Ärger der Angler - wäre das Entfernen der zuvor künstlich angesiedelten Forellen aus den dortigen Seen. Erste vielversprechende Ansätze in dieser Richtung gibt es in Sequoia und Kings Canyon.

"Fischen als Freizeitbeschäftigung hat im Park eine lange Tradition", sagt Steve Thompson, Biologe im Yosemite-Nationalpark. "Der Park hat aber eine zweifache Aufgabe. Einerseits müssen die Ressourcen geschützt werden, andererseits soll der Park für Vergnügen sorgen. Wenn man die Ressourcen aber nicht schützt, kann es kein Vergnügen geben." (APA/AP)

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