Wacker plant Börsegang vor Ostern

30. März 2006, 19:39
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Einer der größten deutschen Börsegänge 2006 - Der deutsche Chemiekonzern Wacker will bis Mitte April an die Börse gehen

München - Der deutsche Chemiekonzern Wacker will bis Mitte April an die Börse gehen. Voraussetzung für diesen Schritt noch vor Ostern sei allerdings ein weiterhin gutes Marktumfeld, sagte Konzernchef Peter-Alexander Wacker am Freitag in München. Es ist einer der größten Börsegänge in Deutschland im Jahr 2006. Die Aktien liegen aus heutiger Sicht ab 27. März zum Kauf auf.

Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern den Umsatz um zehn Prozent auf 2,76 Mrd. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern konnte mit 260,9 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden. Auch das Halbleitergeschäft von Siltronic schreibe wieder schwarze Zahlen. "Damit haben wir die Ziele, die wir uns für 2005 gesetzt hatten, erreicht und teilweise sogar übertroffen", sagte Wacker. Auch im laufenden Jahr erwartet Wacker weitere Steigerungen bei Umsatz und operativem Gewinn.

Wacker beschäftigt weltweit rund 14.400 Mitarbeiter und hat rund 20 Produktionsstätten in verschiedenen Ländern.

Erstnotiz vor Ostern

Ein anhaltend positives Marktumfeld vorausgesetzt, sei die Erstnotiz in der Woche vor Ostern geplant, sagte Vorstandschef Wacker heute in München. Er hatte sich lange nicht auf einen Börsengang des Familienunternehmens fest legen wollen, obwohl seit Monaten darüber gesprochen wurde. "Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass uns ein direkter Zugang zum Kapitalmarkt zusätzliche Freiheitsgrade für die strategische Weiterentwicklung eröffnet", sagte Wacker.

Finanzkreisen zufolge ist die Erstnotiz für 10. April, den Montag vor Ostern, geplant. Wacker könnte bis zu eine Milliarde Euro damit erlösen und nimmt den Nebenwerteindex MDax ins Visier.

Mit dem Geld solle das Wachstum finanziert und beschleunigt werden, große Übernahmen plant Wacker Chemie aber nicht. "Wir beteiligen uns nicht an irgendeinem Übernahmefieber, das derzeit in Deutschland grassiert", sagte Vorstandschef Wacker.

Wacker will nur einen Minderheitsanteil bei den Anlegern platzieren. "Die Familie ist willens, eine Mehrheit an dem Unternehmen zu behalten", sagte der Vorstandschef. Dies werde auf lange Sicht so bleiben. Die Familie, die den Chemie- und Pharmakonzern Sanofi-Aventis 2005 aus dem Unternehmen herausgekauft hatte, will Finanzkreisen zufolge zwischen 25 und 35 Prozent an die Börse bringen und sich zwischen 750 Mio. und einer Milliarde Euro vom Kapitalmarkt holen. Mit einem Teil des Emissionserlöses wolle die Familie den Rückkauf von den Franzosen refinanzieren, sagte Wacker.

Anteil des Streubesitzes

Der Anteil des Streubesitzes werde aber nach dem Börsengang kleiner sein als die ehemalige Sanofi-Beteiligung. Sanofi hielt knapp die Hälfte an dem Traditionsunternehmen. In Finanzkreisen hieß es, die Zeichnungsfrist werde am 27. März beginnen.

Vorstandschef Wacker liebäugelt mit einer Aufnahme in die zweite Liga der deutschen Börsenindizes, den MDax. "Ein Ehrgeiz kann das schon sein", sagte er.

Konsortialführer sind Morgan Stanley und UBS, auch Dresdner Kleinwort Wasserstein gehört zum Konsortium. Morgan Stanley hatte sich im Vorfeld des Börsengangs an Wacker auch beteiligt.

Im Geschäftsjahr 20005 setzte Wacker 2,76 Mrd. Euro um, 10 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) war auf Grund des anziehenden Chemiegeschäfts, der gestoppten Verluste der Halbleiter-Tochter Siltronic und einer umfassenden Sanierung mit 260,9 (2004: 110,4) Mio. Euro mehr als doppelt so hoch wie 2004. Für das laufende Jahr erwartet Wacker "ohne externe Schocks" eine weitere Steigerung von Umsatz und Ebit. "Das Jahr 2005 hat mit einer sehr schönen Dynamik geendet. Wir sehen derzeit kein Ende des Aufwärtstrends", sagte Wacker.

Halbleiter-Tochter

Die Halbleiter-Tochter Siltronic kehrte 2006 mit einem Ebit von 5,8 Mio. Euro in die Gewinnzone zurück. Die Tochter, die Siliziumscheiben (Wafer) für die Produktion von Halbleitern (Mikrochips) herstellt, habe Marktanteile gewonnen und sei die Nummer drei der Branche weltweit mit einem Anteil von rund 15 Prozent. 2004 war dort noch ein Verlust von 100,7 Millionen Euro angefallen. "Das Nachsteuerergebnis von Siltronic ist positiv", sagte Wacker. Die Sparte habe sich aus der gefürchteten Zyklik der Branche gelöst.

Der Wacker-Konzern sieht sich als der zweitgrößte Anbieter von Reinstsilizium zur Wafer-Fertigung, und als Lieferant des Metalls für die Solarenergiebranche sogar als Marktführer. Das Unternehmen baut seine Produktionskapazitäten derzeit massiv aus.

Der Plan, Siltronic allein an die Börse zu bringen, war 2004 an überhöhten Preisvorstellungen gescheitert. 2005 hatte Wacker zwischenzeitlich Gespräche über einen Verkauf geführt. (APA/Reutes/dpa)

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