Wie Tiere den Winter überstehen

17. März 2006, 13:36
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Die radikalste Lösung ist das Sterben, um zu überleben - langer Winter für viele Tierarten kein Problem

Wien - Der relativ lang anhaltende Winter ist für die meisten wild lebenden Tiere kein Problem. Insekten, Vögel und auch Säugetiere haben sich im Laufe der Evolution auf die Bedingungen eingestellt, eng wird es höchstens für ohnehin geschwächte Organismen.

Vögel

So rechnet man etwa bei der Vogelschutzorganisation BirdLife mit keinen ernst zu nehmenden Ausfällen unter den Gefiederten. "Sehr wohl könnte es bei einigen Arten zu Verhaltensänderungen kommen", berichtete die Ornithologin Elke Karner-Ranner gegenüber der APA. So sind etwa von Kiebitzen so genannte Umkehrzüge bekannt. Wenn sie Ende Februar, Anfang März aus Süd-Europa und dem Mittelmeerraum bei uns eintreffen und eine weitgehend geschlossene Schneedecke vorfinden, kehren sie einfach wieder um und kommen später wieder.

Schlechtes Wetter während des Zuges wirkt sich bei einigen Arten negativ auf den Bruterfolg aus. Bekannt ist das Phänomen etwa bei Störchen, die ausgesprochen lang brüten und die Jungen aufziehen. Wenn Meister Adebar nicht Anfang Mai mit dem Brutgeschäft beginnen kann, wird es für den Nachwuchs eng.

Insekten

Bei Insekten könnte der lange Winter einigen gefürchteten Schädlingen einen Startnachteil verschaffen - zur Freude von Land- und Forstwirten. Etwa der Borkenkäfer, der in den vergangenen Jahren in den heimischen Wäldern wieder verstärkt gewütet hat, wird erst bei 16 Grad aktiv. Je später die Tiere mit ihrem Fortpflanzungsgeschäft beginnen, desto weniger Käfer-Generationen - und damit Waldschäden - sind zu erwarten. In Jahren mit einer langen warmen Jahreszeit sind es drei, in der Regel aber nur zwei Generationen.

Auch Wespen und Verwandte kommen nach einem langen Winter erst mit Verzögerung so richtig in Schwung. Die überwinternden Königinnen können unter 15 Grad kaum aktiv werden um den neuen Staat zu gründen. Ein warmer Frühling oder ein heißer Frühsommer können das Defizit allerdings rasch wieder ausgleichen. Der Höhepunkt des Wespenstaates wird meist im August erreicht.

Keinen merkbaren Einfluss hat die kalte Jahreszeit auf Insekten mit sehr rascher Vermehrung, was in besonderen Maße für die lästigen Plagegeister aus der Gruppe der Stechmücken gilt. Sie vermehren sich bei entsprechend heißem und feuchten Wetter innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen explosionsartig, da ist ein kalter Winter rasch vergessen.

>>> Strategien zum Überleben.

Überlebens-Strategien

Um die kalte Jahreszeit zu überstehen, haben Tiere die unterschiedlichsten Strategien entwickelt. Die radikalste Lösung: Sie sterben, um zu überleben. Den Weiterbestand besorgen dann robuste Keimlinge, wie beispielsweise so genannte Dauereier.

Extremisten sind dabei die im Moos lebenden, winzigen Bärentierchen. Deren Dauerstadien können sogar kurz in flüssiges Helium oder in kochendes Wasser getaucht werden, ohne dass der Nachwuchs geschädigt wird. Auch die jedem Aquarianer bekannten Wasserflöhe besitzen sehr robuste Dauereier, die einfrieren und jahrelange Trockenheit überstehen können.

Erzeugung von Wärme

Tiere, die während ihrer Entwicklung eine Verwandlung durchmachen, etwa Insekten, überwintern vielfach als Larven im Boden oder bewegungslos als Puppen. Soziale Insekten, etwa Bienen, Ameisen oder Termiten sind dagegen im Stande, durch Muskelbewegungen im Stock Wärme zu erzeugen. So kann eine geschrumpfte Gesellschaft von ausgewachsenen Insekten im wahren Sinn des Wortes ins nächste Frühjahr hinüberzittern.

Größere Tierarten müssen den Winter anders überstehen. Wechselwarme Tiere, wie etwa Reptilien oder Amphibien, haben es da relativ leicht. Sinkt die Außentemperatur, kühlen auch ihre Körper aus. Sie werden träger und verharren schließlich in der so genannten Kältestarre, brauchen dabei kaum Energie und Reserven.

Vögel und Säugetiere

Schwieriger ist die Situation für Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht auf das Umgebungsniveau absinken lassen können, also Vögel und Säugetiere. Ein bestimmter Wert, der von Art zu Art verschieden ist, darf nicht unterschritten werden, um ihre Zellen und Organe nicht nachhaltig zu schädigen. Sie verbrauchen auch im Ruhestadium relativ viel Energie und müssen entweder einen Fettvorat anlegen oder zwischendurch von den - hoffentlich reichlich angelegten - Nahrungsreserven naschen.

Winterschlaf

Einen echten Winterschlaf halten viele Nagetiere, etwa Hamster, Ziesel oder Murmeltiere. Die Tiere reagieren dabei auf keine Außenreize und senken ihre Körpertemperatur um einen bestimmten Wert ab. Forscher haben herausgefunden, dass auch diese echten Winterschläfer von Zeit zu Zeit ihre Temperatur erhöhen und kurz aufwachen. Insgesamt kann der Winterschlaf bis zu acht Monate dauern.

Wesentlich öfter wachen beispielsweise Bären auf. Zoologen sprechen dabei von einer so genannten Winterruhe. Die Ruhephasen sind auch nicht so tief, wie bei den echten Schläfern. Die Körpertemperatur sinkt bei den Bären um etwa zehn Grad. Nur kurze Ruhezeiten mit dazwischen eingeschobenen Fressphasen halten etwa Eichhörnchen, Dachse oder Haselmäuse. Sie legen im Sommer und im Herbst einen Nahrungsvorrat an, reicht der nicht aus, verhungern oder erfrieren sie.

Die meisten einheimischen Vögel, die nicht im Herbst in wärmere Gegenden ziehen schlagen sich ohne längere Ruhephasen durch den Winter. Vögel besitzen mit ihrem Gefieder ein stark isolierendes Kleid, das bei Bedarf auch noch aufgeplustert weden kann. Dennoch ist der Energiebedarf alleine für die Erhaltung der Temperatur hoch, längere Fresspausen sind für Vögel nicht drin. (APA)

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    Fledermäuse im Winterschlaf

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