Bawag: Keine neuen Probleme

17. März 2006, 18:41
4 Postings

"Alle operativen Geschäftsbeziehungen bereits in letzten Jahren beendet" - Seit Februar 2006 Beschluss, aus PIPE-Finanzierungen auszusteigen

Wien - Zwei Tage, nachdem aus den USA Nachrichten über Ermittlungen wegen dubioser Refco-Karibik-Konten und Firmen auf Anguilla mit Verbindungen zur BAWAG P.S.K. bekannt wurden, hat sich die österreichische Gewerkschaftsbank zum ersten Mal inhaltlich zu den Vorwürfen geäußert. Aus den in Medien zuletzt heftig umstrittenen hoch spekulativen "PIPE"-Geschäften wird sich die Bank zurück ziehen. Das sei vor wenigen Wochen beschlossen worden.

In einem Pressekommunique am Freitag Vormittag gab die Gewerkschaftsbank folgendes bekannt:

"Alle operativen Geschäftsbeziehungen der BAWAG mit Refco und den in Medienberichten genannten Firmen auf Anguilla liegen in der Vergangenheit und wurden bereits in den letzten Jahren beendet."

Und weiter: "Es gibt keine aufrechten Geschäfte und keine wirtschaftlichen Verbindungen zu diesen Anguilla-Firmen".

Keine finanziellen Risiken

Daher, so die BAWAG, gebe es auch keine weiteren finanziellen Risiken aus solchen Geschäften. Insbesondere wies die BAWAG in ihrer freitägigen Aussendung Gerüchte über mögliche weitere finanzielle Bedrohungen von 180 Mio. Euro als "völlig unrealistisch" zurück.

Nach Angaben der Bank "hat der Vorstand der BAWAG P.S.K. bereits im Februar 2006 beschlossen, die Finanzierung von Kundenaktivitäten im sogenannten PIPE-Segment der New Yorker Börse zurückzuführen."

"Generell trat die BAWAG in vielen dieser ehemaligen Geschäfte nur als Vermittler für Kunden auf", hieß es weiter.

Das noch bestehende maximale Kreditrisiko der BAWAG P.S.K. in Zusammenhang mit Refco betrage 392 Mio. Euro. Für den Betrag sei in der Bilanz 2005 voll vorgesorgt worden. In diesem Betrag sei der Kredit aus Oktober 2005 in Höhe von 350 Mio. Euro enthalten, dessen Rückzahlung in der Betrugsklage der BAWAG gegen Ex-Refco-Chef Phillip Bennett und Refco bereits eingeklagt wurde. Die Bilanz 2005 werde dennoch einen Jahresgewinn ausweisen.

Nach US-Medienberichten hat sich die BAWAG als ein Player in der Risikokapitalszene in den USA einen Namen gemacht, mit so genannten "PIPE"-Finanzierungen. Dabei stellt der Investor kurzfristig Eigenkapital bereit.

PIPE mit schlechtem Ruf

PIPE steht für "Public Investment in Private Equity" und hat sich einen schlechten Ruf eingehandelt, weil der "Presse" zufolge nicht wenige PIPE-Transaktionen in den USA von Hedge-Fonds dazu genutzt worden sind, um Geld suchende kleinere Unternehmen "auszuräumen" und dann in die Pleite zu schicken. Branchenkreise schätzen die Zahl der "PIPE"-Opfer unterdessen auf mehr als 1.000 Unternehmen. "Offshore-Gewässer sind voller Haie", wurde in der Freitag-Ausgabe der österreichischen Tageszeitung ein Branchenkenner zitiert.

Laut "Thestreet.com" lässt sich die BAWAG mit keinem dieser Geschäfte direkt in Verbindung bringen, aber viele "tragen deren Fingerabdrücke". Ausgeführt worden seien sie überwiegend über die liechtensteinischen Gesellschaften Alpha Capital, 'austinvest, Austost und Celeste Trust. Austost und Celeste Trust sind 100 Prozent-Töchter der BAWAG. Nach österreichischen Angaben ist die BAWAG an der Alpha Capital nicht direkt beteiligt. Einen Anteil halte der mit der BAWAG in einigen Finanzbereichen eng zusammen arbeitende Investor Martin Schlaff. Die liechtensteinischen BAWAG-Beteiligungen sollen laut "Thestreet.com" Geschäfte mit Refco gemacht haben. Und allen soll Refco dabei geholfen haben, bei PIPE-Geschäften erworbene Aktien weiterzuverkaufen, hieß es im "Presse"-Bericht. (APA)

Share if you care.