Everest-Expedition von 85-jähriger Britin war Werbeschmäh

17. März 2006, 08:12
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Outdoor-Ausrüster Mammut dachte sich preiswürdige Marketingkampagne aus und konnte damit immensen Werbeerfolg verbuchen

London - Wochenlang war ihr Name in der Alpinisten- und Outdoor-Szene weltweit in aller Munde: Mary Woodbridge, eine 85-jährige britische Oma, wollte mit ihrem Dackel Daisy den Mount Everest besteigen.

Auf einer eigens von ihrem Enkel dafür eingerichteten Homepage machte sie mit viel Charme, Humor und britischem Understatement Werbung für ihr Unternehmen und bat um Spenden für die aufwendige Expedition, die Anfang März starten sollte. Allein: Die Expedition entpuppte sich als gelungener Webeschmäh des Outdoor-Ausrüsters Mammut.

Mary Woodbridges Name ist bisher im weltweiten Alpinsport ein unbeschriebenes Blatt. Zu recht: Es gibt sie nämlich gar nicht. Die "Alpinismus-Oma" heißt in Wirklichkeit Sheila Latimer und wurde von der Zürcher Filmfirma "Plan B Film" in einem aufwendigen Casting-Verfahren ermittelt und als Werbemodel eingesetzt.

Immenser Erfolg

Mit dieser Teaser-Kampagne der etwas anderen Art konnte der Bergsport-Ausrüster Mammut einen immensen Werbeerfolg verbuchen: Oma Woodbridges Plan, im Alter von 85 Jahren mit Dackel Daisy (der in Wirklichkeit Mr. Ben heißt) das 8.850 Meter hohe Dach der Welt zu erklimmen und dabei auf Zwischenlager ("Ich bin nicht so ein Camping-Typ") und Sherpas ("Die armen Jungs, ich kann mir mein Essen selber tragen!") zu verzichten, wurde zwar eindeutig als Skurrilität aufgefasst, aber immerhin schaffte es die rüstige und charmante Britin trotzdem innerhalb kurzer Zeit zu bemerkenswerter Medienpräsenz: Über 250 Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und TV-Sender berichteten schmunzelnd über das waghalsige Vorhaben und wollten sie interviewen. Das freilich klappte nicht.

Als es dann Anfang März soweit war und die Welt gebannt auf Berichte über den Start der Expedition wartete, konnte man auf der Homepage von Oma Woodbridge plötzlich ein in der Alpinismus-Welt weithin bekanntes Sponsorenlogo sehen: Ein Mammut. Dazu der Slogan: "Warnung! Mit so guter Ausrüstung kann man sich leicht zu sicher fühlen!"

Ätsch, reingefallen!

Für die fast 75.000 Besucher der Website bedeutete das: Ätsch, reingefallen! Nein, doch nicht für alle: Es gibt nach wie vor solche, die den gelungenen Marketing-Gag noch nicht kapiert haben, und per Gästebucheintragung Mary alias Sheila weiterhin alles Gute wünschen und wertvolle Tipps parat haben.

Die Werbekampagne dürfte sich für Mammut jedenfalls ausgezahlt haben: Top-Medienpräsenz in der Zielgruppe. Die Kosten für die relativ simple Homepage waren auch nicht exorbitant, und man konnte sich darauf verlassen, dass Mary Woodbridge über Mund- bzw. Mail- und Blog-Propaganda schnell zu einem Star werden würde.

Das einzig Kostspielige war wohl der Druck der neuen Mammut-Produktbroschüre, die nun vielerorts im Fachhandel zu beziehen ist und sich bereits zum kultigen Sammelobjekt entwickelt hat. Wer zu spät gekommen sein sollte: Man kann den Katalog als PDF-Datei und die ganze Story weiterhin auf www.mary-woodbridge.co.uk begutachten. (APA)

  • Hereingelegt: Die Expedition der 85-jährigen Mary Woodbridge entpuppte sich als gelungener Webeschmäh.
    foto: www.mary-woodbridge.co.uk

    Hereingelegt: Die Expedition der 85-jährigen Mary Woodbridge entpuppte sich als gelungener Webeschmäh.

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