Österreicher nach wie vor in Haft im Nordirak

20. März 2006, 06:39
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Anklage wegen "Entehrung" der Regierung - Kurde mit österreichischem Pass spricht von "milliardenschwerer Korruptionsaffäre"

Wien/Erbil - Der seit dem Oktober des Vorjahres im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak inhaftierte österreichische Staatsbürger Kamal Said Qadir ist entgegen wiederholter Ankündigungen noch immer nicht freigelassen worden.

In einem Interview mit der "Zeit im Bild 2" zeigte sich der 48-jährige kurdische Publizist mit österreichischem Pass am Donnerstag überzeugt, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, die kurdische Führung "entehrt" zuhaben, nur vorgeschoben seien: "Ich habe den Nerv getroffen, das ist eine milliardenschwere Korruptionsaffäre."

Nach Angaben des in Wien aktiven "Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit" (WADI) war Qadir im Dezember von einem Gericht in Erbil (Arbil) wegen "Entehrung der kurdischen Führung und ihres Kampfes" zu 25 Jahren Haft verurteilt worden.

Scharfe Angriffe gegen Chef der kurdischen Autonomiebehörde

Der Jurist hatte den Chef der kurdischen Autonomiebehörde und der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP), Massud Barzani, in einem offenen Brief scharf angegriffen. Bereits am 25. Jänner 2006 hatte der irakische Außenminister Hoshyar Zebari eine Freilassung Qadirs informiert, was sich jedoch als nicht zutreffend erwies.

Er habe lediglich darüber geschrieben, dass Besitztümer im Nordirak, die in den vierziger Jahren deportierten jüdischen Eigentümern ohne Kompensation weggenommen worden seien, heute unter gerichtlicher Aufsicht zurückerstattet werden müssten, meinte Kerim jetzt in dem "ZiB"-Interview. "Es waren aber auch ein paar harte Worte drinnen - nur: ich hatte nie gedacht, dass ich in Kurdistan deswegen verfolgt werde, weil hier anscheinend Demokratie herrscht."

"Mit Israelis nichts zu tun"

Der Provingouverneur in Erbil sieht das anders: Im ORF-Interview erklärte er, man habe erstens "mit den Israelis nichts zu tun", da Landverkauf an Juden in der islamischen Welt als Hochverrat gelte, außerdem könnten Kerims "Unterstellungen" sogar "Terroristen zu neuen Attentaten motivieren".

Der österreichische Staatsbürger solle innerhalb der nächsten zehn Tage freigelassen werden, hatte zuletzt der Ministerpräsident der kurdischen Regionalregierung, Necirvam Barzani, gegenüber der österreichischen Sondergesandten in Bagdad, Gudrun Harrer, nach Angaben des Außenministeriums in Wien angekündigt - vor genau zehn Tagen. (APA)

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