Berlusconi verärgert italienische Feministinnen

16. März 2006, 21:08
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Fauxpas des Ministerpräsidenten bei TV-Duell: "Frauen sind schwer von der Familie zu trennen und in die Politik zu holen"

Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat mit Aussagen über die mangelnde Beteiligung von Frauen am politischen Leben in Italien Entrüstung bei den Feministinnen des Landes ausgelöst. Auf die Frage, warum die Frauenquote auf den Wahllisten der Regierungsparteien so gering sei, antwortete Berlusconi, dass es in der Praxis schwierig sei, qualifizierte Frauen von der Familie zu trennen und in die Politik zu holen.

"Es ist nicht einfach, Frauen mit passender Qualifikation in anspruchsvolle Ämter zu führen, sie müssten Familie und Mann verlassen und sich fünf Tage die Woche in Rom aufzuhalten", sagte Berlusconi bei seinem TV-Duell gegen den Herausforderer Romano Prodi am Dienstagabend.

Berlusconi lobte zwar seine Erziehungsministerin Letizia Moratti, Verfasserin einer umstrittenen Reform des Schulsystems, unterließ es aber, auch seiner Ministerin für Chancengleichheit, Stefania Prestigiacomo, Anerkennung zu zollen. Die 37-jährige Politikerin hatte sich stark für Frauenquoten eingesetzt, die bei den meisten ihrer männlichen Kollegen keine Gnade fanden.

"Vom Rest des Landes entfremdet"

Die Worte des Ministerpräsidenten lösten hitzige Reaktionen aus. "Berlusconi ist grotesk und mittelalterlich. Man sieht, wie Berlusconi vom Rest des Landes entfremdet ist. Die künftige Regierung unter Romano Prodi wird vielleicht nicht aus bis zu 50 Prozent Frauen bestehen, wie das Kabinett Zapatero in Spanien. 30 Prozent der Regierungsmitglieder werden jedoch bestimmt Frauen sein", meinte die Politikerin der oppositionellen Sammelbewegung "Margherita", Rosy Bindi.

Kritik musste Berlusconi auch aus seinen den eigenen Reihen hinnehmen. "Ich muss gestehen, dass ich von Berlusconis Antwort überrascht war. Er war wahrscheinlich unter Druck. Auch Oppositionschef Prodi hat mit seinen Versprechen für die Frauen jedenfalls nicht geglänzt", sagte die Unterstaatssekretärin im römischen Außenministerium, Margherita Boniver.

Niedrige Frauenquote

Italien zählt europaweit zu den Ländern mit der niedrigsten Zahl an Frauen in der Politik. Mit 9,2 Prozent Frauen im Parlament ist Italien europaweit das Schlusslicht. Schweden liegt mit 42,7 Parlamentarierinnen an erster Stelle. In Spaniens sozialdemokratischer Regierung ist die Hälfte der MinisterInnenposten mit Frauen besetzt.

Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi hatte in den vergangenen Monaten wiederholt für ein aktiveres Engagement der Frauen in der Politik plädiert. Er rief die Wählerinnen auf, für Frauen zu stimmen. Es sei wichtig, Frauen in den Institutionen zu fördern, meinte er. (APA)

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    Berlusconi einmal mehr at his best: Mit seiner Aussage über Politikerinnen hat er Entrüstung bei den Feministinnen des Landes ausgelöst. Kritik kommt auch aus eigenen Reihen.
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