Kein Bade-Abend für Musliminnen mehr

20. März 2006, 20:38
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Proteste veranlassten Pächter eines Rieder Hallenbades zur Untersagung - Bürgermeister sieht Stadt zu Unrecht ins ausländerfeindliche Eck gedrängt

In Ried im Innkreis verhinderten massive Proteste aus der Bevölkerung einen exklusiven Badeabend für muslimische Frauen. Der Bürgermeister sieht seine Stadt zu Unrecht ins ausländerfeindliche Eck gedrängt, Problem sei die mangelhafte Vorbereitung gewesen.


Linz - "Irgendwie hab ich schon im Vorfeld gespürt, dass das nicht gut gehen wird bei uns." Gerald Hollriedler, Hallenbadpächter in Ried in Innkreis, hadert mit sich selbst. "Nicht gut gegangen" ist Hollriedlers Versuch, muslimischen Frauen einen eigenen Badeabend im Schwimmbad zu ermöglichen.

Die Welle der Empörung innerhalb der Rieder Bevölkerung war so massiv, dass der Pächter schließlich den muslimischen Badeabend kurzerhand wieder abblasen musste.

Neidgefühle

Prinzipiell schließt das Bad in Ried jeden Montag ab 18 Uhr. Lediglich einem Tauchverein räumen die Pächter dann und wann einen Sprung ins kühle Nass auch nach Betriebsschluss ein. Diese Ausnahmeregelung brachte jüngst eine Riederin mit muslimischem Religionsbekenntnis auf die Idee, einen speziellen Schwimmabend für ihre Glaubensschwestern zu organisieren. Frauen ist es nach den Regeln des Islam nicht erlaubt, gemeinsam mit Männern zu baden. Man einigte sich mit Pächter Hollriedler auf einen 14-tägigen männerfreien Badeabend.

Die Freude darüber währte aber nur kurz: In Ried brach ein Sturm der Entrüstung los. "Man kann sich das gar nicht vorstellen. Tagtäglich haben sich Badegäste beschwert. Einige haben gedroht ihre Saisonkarte zurückzugeben", schildert Hollriedler im STANDARD-Gespräch. Das Problem der "heimischen" Badegäste waren aber, zumindest offiziell, nicht die muslimischen Frauen an sich, sondern Neidgefühle, die Rieder SchwimmerInnen plagten.

"Die meisten haben sich über das Privileg aufgeregt, dass die muslimischen Frauen am Abend alleine schwimmen dürfen", klagt Hollriedler. Letztlich habe er dem "massiven Druck" nicht mehr standgehalten und der Frauengruppe die Badeerlaubnis wieder entzogen.

"Geheimaktion"

Albert Ortig, ÖVP-Bürgermeister von Ried im Innkreis, sieht das Problem bei den Pächtern. "Man hat hier eigenmächtig und ohne Wissen der Stadt eine Genehmigung für die Schwimmabende erteilt", erklärt er im Gespräch mit dem STANDARD. Man sei in Ried "auf keinen Fall ausländerfeindlich", aber aufgrund des hohen Anteils von Nichtösterreichern habe man hier eine "sensibilisierte" Bevölkerung. "Unüberlegte Geheimaktionen wie die im Bad können nur scheitern. So etwas braucht eine entsprechende Vorbereitung", kritisiert Ortig. Das heikle Thema werde man aber jetzt mit Sicherheit in den Stadt- und Gemeinderat einbringen und über die Möglichkeiten eines solchen Badeabends diskutieren.

Innerhalb der Bevölkerung gilt es da auf jeden Fall noch gehörig an Überzeugungsarbeit zu leisten. "Die sollen sich gefälligst den Sitten im Gastland anpassen. In der Türkei wird man verhaftet, wenn man nur einen Stein einsteckt und bei uns scheren sie sich einen Dreck um irgendwelche Regeln", poltert ein Rieder im STANDARD-Gespräch. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.3. 2006)

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