Skoceks Zeitlupe: König Benjamin

22. Juli 2006, 13:39
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Spitzensport als letzte Zuflucht der Sehnsucht nach Monarchen und Märchen

Der Spitzensport ist die letzte Zuflucht der Sehnsucht nach Monarchen und Märchen. Den Weltcupsieger Benjamin Raich heißen sie König, zu seinen Füßen die Edlen vom Berg, die ihn zum Gesalbten des Winters erhöht haben. Der international unerhebliche Skisport wird in Österreich so hoch in den Himmel gehoben, dass ja jeder glaubt, die ganze Welt müsse ihn sehen. Vergeblich. Nicht einmal der Herrschaftsanspruch der Olympischen Spiele über den Winter wird außerhalb von Europa und den USA ernst genommen.

Der Möchtegern-Spitzensportler und -Künstler Hubertus Hohenlohe nervt bei Winterspielen regelmäßig und zeugt von der Eignung des Feudalen zur Witzfigur. Das Monarchische suggeriert die gute alte Zeit, heute lenkt das Attribut des Königlichen ab von der mangelnden Starqualität der sportlich außerordentlich tüchtigen Spitzensportler. Dorfmeister, Raich, Schönfelder, Götschl, Walchhofer, Meissnitzer verfügen nicht über die Autorität, auf der Sponsoren in die Herzen der Menschen reiten. Der unstete Amerikaner Bode Miller hätte den Charme, doch er legt sympathischerweise nicht so furchtbar viel Wert darauf. Worauf der österreichische Sittenwärter dem Amerikaner seine Liebe zu Diskotheken und animierenden Getränken vorhält.

Die Österreicher wollen ihre Stars sauber und witzig, brav und spannend, als lebende Gegensatzpaare. Hermann Maier ist der letzte echte Machthaber, seine Zeit läuft aber ab. Auch im Fußball ist kein Charmeur zu sehen. Nichts als bemühte Karrieristen. Der nun teuerste Österreicher Martin Stranzl ist alles, nur kein Kreativer, eher ein verlässlicher Soldat. Wieder ist Vorsicht angeraten, wenn einer "König" und alle sich verneigen.

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