Sejdiu: Belgrad will Auseinanderbrechen des Kosovo

21. März 2006, 20:06
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Kosovo-Präsident wirft Serbien Verzögerungstaktik vor: "Für sie herrscht immer noch Krieg"

Wien - Serbien ist nach Ansicht von Kosovo-Präsident Fatmir Sejdiu an einem Auseinanderbrechen der seit sieben Jahren von der UNO verwalteten Provinz interessiert. "Belgrads Ideen sind destruktiv. Es will, dass Kosovo auseinander bricht. (...) Die Art der Rhetorik, die sie benutzen, bedeutet, dass für sie immer noch Krieg um den Kosovo herrscht. Für uns ist der Krieg aber vorbei", sagte Sejdiu in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Freitagsausgabe).

Mit seiner "Propaganda" entmutige Belgrad die zu einer Rückkehr in die Provinz bereiten Serben, sagte der Spitzenpolitiker der führenden Albaner-Partei LDK (Demokratische Liga des Kosovo). "Belgrads Absicht ist, die Spannungen im Kosovo aufrecht zu erhalten, um damit den Prozess zur Festlegung des Endstatus für den Kosovo zu verzögern." Sejdiu bekannte sich zum "multiethnischen Charakter" der Provinz und sprach sich für die Rückkehr aller Flüchtlinge aus, "egal welchen ethnischen Background sie haben".

Außerdem wolle man den Serben im Kosovo "alle Minderheiten- und Menschenrechte (...) gemäß den höchsten internationalen Standards" anbieten, versprach Sejdiu. Auch ihre historischen, kulturellen und religiösen Stätten sollen unter Schutz gestellt werden. Schon seien die Minderheitenangehörigen überproportional in den Provinzinstitutionen vertreten.

Ablehnend äußerte sich Sejdiu erneut zur Idee einer "bedingten Unabhängigkeit" für das Kosovo. "Für uns ist wichtig, gemäß des Willens unserer Bevölkerung die volle Unabhängigkeit zu erhalten. (...) Unabhängigkeit für Kosovo muss bedeuten, dass wir Mitglied in den internationalen Organisationen werden können. Sie hat natürlich nur Sinn, wenn es die volle Unabhängigkeit ist. Wir verstehen nicht, wie es auch andere Varianten von Unabhängigkeit geben soll."

Sejdiu bedauerte, dass der am Samstag verstorbene frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic das Ende seines Prozesses vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag nicht erlebt hat. Milosevic habe mehr als 10.000 Menschen mit seiner Kriegsmaschinerie im Kosovo umgebracht und eine Million Albaner deportieren lassen. "Leider ist der Geist von Milosevics Politik in Serbien noch immer am Leben. Für uns ist es deshalb sehr wichtig, rasch einen unabhängigen Kosovo zu erhalten." Der Tod von Milosevic sei für die Serben aber auch eine Gelegenheit, "endlich zur Besinnung zu kommen".

Seit Juni 1999 steht der Kosovo unter UNO-Verwaltung, gehört aber völkerrechtlich weiter zu Serbien-Montenegro. Unter UNO-Vermittlung laufen derzeit in Wien Gespräche zwischen Vertretern Pristinas und Belgrads über den künftigen Status der Provinz. Serbien-Montenegro hat den Kosovo-Albanern eine weit reichende Autonomie angeboten, doch wollen diese nur die volle Unabhängigkeit akzeptieren. Vorige Woche hatte der britische Außenminister Jack Straw gesagt, eine Unabhängigkeit des Kosovo sei "fast unausweichlich". (APA)

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