EVN kauft mazedonischen Stromverteiler um 225 Millionen Euro

30. März 2006, 19:39
2 Postings

Der niederösterreichische Stromversorger hat sich gegen den tschechische Stromkonzern CEZ und die italienische Enel durchgesetzt

Die niederösterreichische EVN hat am Donnerstag Abend den Zuschlag für die Übernahme von 90 Prozent am staatlichen mazedonischen Stromverteiler ESM bekommen und sich damit gegen ihre beiden Mitbewerber - den tschechische Stromkonzern CEZ und die italienische Enel - durchgesetzt. Der Kaufpreis liegt bei 225 Mio. Euro, weitere 96 Mio. Euro sollen in den kommenden drei Jahren investiert werden.

EVN habe das beste Angebot für Elektrostopanstvo na Makedonija (ESM) gelegt, sagte Ministerpräsident Vlado Buckovski am Abend im mazedonischen Fernsehen A1. CEZ habe 181,5 Mio. Euro und Investitionen von 62,7 Mio. Euro geboten, die Enel nur 40 Mio. Euro und weitere 80,2 Mio. Euro an Investitionen. Der Abschluss der Übernahme (Closing) und die Zahlung des Kaufpreises sei nach Erfüllung aller erforderlichen Bedingungen "in den nächsten Wochen" zu erwarten, hieß es in einer Pressemitteilung der EVN.

Tiefere Verankerung

Der Einstieg in Mazedonien bedeute für die EVN, die 2003 die WTE-Gruppe, die im Trinkwasser/Abwasserbereich in zwölf mittel- und osteuropäischen Ländern tätig ist, übernommen hat und bei zwei bulgarischen Stromverteilunternehmen seit Anfang 2005 engagiert ist, "eine tiefere Verankerung des Energiegeschäfts in der Wachstumsregion Südosteuropa", kommentierte EVN-Vorstandssprecher Burkhard Hofer den Deal. Gerade im Hinblick auf die großen Herausforderungen im Infrastrukturbereich könnte auch ein Engagement in Mazedonien über die Stromwirtschaft hinaus interessante Perspektiven in den Bereichen Gas, Wärme und insbesondere auch Wasser/Abwasser und thermische Müllbehandlung eröffnen, so Hofer.

ESM versorgt laut EVN das gesamte Staatsgebiet der Republik Mazedonien mit einer Fläche von rund 25.700 Quadratkilometer, das entspricht etwa der Größe Niederösterreichs. Im Versorgungsgebiet von ESM leben rund zwei Millionen Einwohner, davon rund 600.000 in der Hauptstadt Skopje. Die Kundenanzahl liegt bei rund 700.000. Der Stromabsatz beträgt 4.300 GWh, die ESM besitzt 11 Wasserkraftwerke. In Mazedonien gebe es ein beträchtliches Wasserkraftpotenzial, so die EVN weiter.

Weitere Details

Von den insgesamt 96 Mio. Euro an von der EVN zugesagten Investitionen sollen im ersten Jahr 35,5 Mio. Euro, im zweiten Jahr 31,5 Mio. Euro und im dritten Jahr 29 Mio. Euro in die ESM fließen, sagte Buckovski weiter. Die EVN habe von der mit dem Verkauf befassten mazedonischen Kommission insgesamt 256,24 Punkte bekommen, die CEZ 201,16 Punkte und die Enel 64,98 Punkte. Morgen will das mazedonische Wirtschaftsministerium in einer Pressekonferenz weitere Details zum Deal bekannt geben.

Die Europäische Entwicklungsbank (EBRD) hat ein Vorkaufsrecht auf 19 Prozent der ESM-Anteile. Dem Käufer würde daher eine 71-Prozent-Mehrheit bleiben. Ob dieses Vorkaufsrecht auch tatsächlich ausgeübt wird, wurde heute nicht bekannt gegeben.

Anwärter auf EU-Mitgliedschaft

Mazedonien ist mittelfristig Anwärter auf die Mitgliedschaft in der EU. Der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs hat der Republik Mazedonien im Dezember 2005 den Status eines Beitrittskandidaten zur EU verliehen. Mazedonien ist damit neben Kroatien und der Türkei das dritte Land, das derzeit den Status eines Beitrittskandidaten innehat. Das reale Wirtschaftswachstum betrug in den Jahren 2004 und 2005 2,9 Prozent bzw. 3,8 Prozent, die Inflation lag 2005 bei 1,8 Prozent. (APA)

Share if you care.