Anklageschrift in Brau-Union-Insideraffäre fertig

30. März 2006, 19:39
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Für 16 Ex-Brau Union Kernaktionäre und deren Familienmitglieder wird es eng - Experten erwarten Strafprozess

Wien - In der Insider-Affäre um die Übernahme der Brau Union durch den niederländischen Bier-Konzern Heineken liegt der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft Wien nun endgültig im Justizministerium. Von den ursprünglich 37 Verdächtigten, die die Finanzmarktaufsicht (FMA) nach umfangreichen Erhebungen in ihrem Bericht an die Staatsanwaltschaft Wien aufgelistet hat, sind jetzt noch 16 übrig, berichtet das "WirtschaftsBlatt" (Freitagausgabe).

Unter den Verdächtigen befinden sich alle großen Namen aus den ehemaligen Brau Union-Eigentümerfamilien Beurle, Büche, Kretz, Mirtl, Atzwanger und Mathes. Allen voran, so die Zeitung, Ex-Vorstandsboss Karl Büche, der den Bierkonzern operativ gesteuert hat, sowie Ludwig Beurle und Fritz Kretz, die als Vertreter der größten Aktionärsgruppen entscheidend im Eigentümersyndikat mitzureden hatten und über alle Details der Verkaufsverhandlungen informiert waren.

Bei den mitverdächtigten Familienmitgliedern handle es sich großteils um Gattinen, Väter, Söhne oder Töchter der Kerninsider. Den Verdächtigten wird vorgeworfen, mittels verbotenem Insider-Handel in den Jahren 2002 und 2003 durch den Verkauf von Brau Union und BBAG-Aktien an den Heineken-Konzern einen Vermögensvorteil in Höhe von knapp 5,2 Mio. Euro erzielt zu haben.

Rund zwei Wochen bis zur Entscheidung

Bis eine Entscheidung über den knapp 70 Seiten dicken Bericht zu erwarten sei und feststehe, ob und wenn wann es zu einer Hauptverhandlung kommt, dürften noch rund zwei Wochen vergehen. In mit der Materie befassten Kreisen wird jedoch erwartet, dass es zu einem Strafprozess kommen wird, heißt es.

Der Bericht sei mit Verzögerung fertig gestellt worden. Die Ermittlungen seien seit Mitte Dezember des Vorjahres abgeschlossen. Dass sich die Causa gezogen habe, liege auch daran, dass der leitende Staatsanwalt Georg Krakow mit Yline und AMIS noch zwei weitere riesige Fälle zu bearbeiten habe. Zudem musste der Vorhabensbericht sorgfältig vorbereitet werden, da das Rechtsgebiet Insidervergehen ist in Österreich laut Experten noch nicht gut beleuchtet sei und es dazu noch keine entsprechende Judikatur gebe.

Bei den im Visier stehenden 16 Verdächtigen handelt es sich laut "WirtschaftsBlatt" um Karl Büche (und zwei Familienmitglieder), Ludwig Beurle (und zwei Familienmitglieder), Fritz Kretz (und fünf Familienmitglieder), Christian Atzwanger (und ein Familienmitglied) und Wilhem Mathes (und ein Familienmitglied). (APA)

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