Küchenhilfe nur auf "Besuch bei der Tante"

17. März 2006, 12:30
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Kroatin bei Salzburger FP-Abgeordneter: War die von der Exekutive gesichtete Küchenhilfe nur zu Besuch oder doch bezahlte Hilfe?

Salzburg – Es handle sich nie und nimmer um ein Beschäftigungsverhältnis. Die von der Exekutive in der Hotelküche gesichtete Person sei "nur auf Besuch bei Verwandten" hier gewesen, habe nur "kurz einer Freundin geholfen", und überhaupt wäre alles ohne Wissen des Wirtes geschehen. Solche und ähnliche Erklärungen gehören zum Standardrepertoire, das Beamte der Kontrollstelle für illegale Arbeitnehmerbeschäftigung (KIAB) zu hören bekommen, wenn sie Personal ohne einschlägige Bewilligungen erwischen.

Auch die stellvertretende Salzburger FP-Obfrau und blaue Landtagsabgeordnete Rosemarie Blattl hat diese Variante versucht. Im März 2005 wurde im Rahmen einer Routinekontrolle in der Küche ihres Hotels im Maria Alm eine junge Kroatin ohne Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung aufgegriffen.

Nur auf Besuch

Die 28-Jährige sei "keine illegale Beschäftigte", sondern nur auf Besuch. Sie hätte sich "für einige Stunden in der Küche bei ihrer Tante" aufgehalten, so die Pinzgauer Gastwirtin damals.

Dass "der Besuch" von den Beamten mit Küchenschürze und Häubchen beim Gemüseschälen angetroffen wurde, wollte aus Sicht der Beamten aber nicht so recht zu Blattls Erklärung passen. Die Unschuldsbeteuerungen der freiheitlichen Hotelchefin dürften die zuständige Bezirkshauptmannschaft ebenfalls nicht besonders beeindruckt haben.

Version bleibt

Dem Vernehmen nach soll der Blattl vor wenigen Wochen zugestellte Strafbescheid ein Bußgeld von rund 1600 Euro vorschreiben. Gegenüber lokalen Medien beharrte sie weiter auf ihrer Version. Und: Sie wäre nur bestraft worden, weil sie Politikerin sei. Berufen will die sonst so streitbare Abgeordnete gegen den Bescheid allerdings nicht.

Auch FP-Landesparteichef Karl Schnell nimmt Blattl in Schutz. Für ihn ist das Vorgehen der Behörde reine Schikane. Blattl würde nie Schwarzarbeiter beschäftigen.

Kontrolle mit Ergebnissen

Bei der KIAB dürfte man die Causa nicht so locker sehen. Vergangenes Jahr wurden allein in Salzburg rund 2400 Ausländer aus Ländern außerhalb der EU kontrolliert. Davon werkten über 530 illegal. Im Klartext: Beinahe jeder vierte kontrollierte Ausländer war ohne Beschäftigungsbewilligung tätig. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.3.2006)

  • Bezahlte Hilfe oder nur auf Besuch? Bei Betriebskontrollen kommt das Standardrepertoire an Ausreden.
    foto: standard/corn

    Bezahlte Hilfe oder nur auf Besuch? Bei Betriebskontrollen kommt das Standardrepertoire an Ausreden.

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