Studie: Klimaschutz wesentlich billiger als ungebremster Klimawandel

20. März 2006, 13:29
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Kongress in Potsdam thematisiert Klimaproblem und "notwendige, radikale Maßnahmen"

Potsdam - Der Klimaschutz ist einer Studie zufolge wesentlich billiger als ein ungebremster Klimawandel. Weniger als ein Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung würde es kosten, den Klimawandel zu stoppen. Schäden durch unterlassenen Klimaschutz könnten dagegen zehn Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, erklärte der Präsident des deutschen Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Das ergaben neue Forschungsergebnisse, die Klimaexperten, Ökonomen und Politiker bei einem internationalen Kongress am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) vorgestellt haben.

Nur ein sofortiges Handeln könne nach Einschätzung des Behördenchefs den wirtschaftlichen Schaden abwenden. "Es ist auch wirtschaftlich vertretbar, den globalen Ausstoß von Treibhausgasen bis Mitte des Jahrhunderts um 50 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken", sagte Troge. Durch technischen Fortschritt sei das Ziel der EU, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, relativ kostengünstig realisierbar, bestätigte PIK-Ökonom Ottmar Edenhofer.

Optionen

"Das Zwei-Grad-Ziel setzt voraus, dass wir gegen Ende des Jahrhunderts eine emissionsfreie Weltwirtschaft erreicht haben", sagte Edenhofer. Die wichtigsten Optionen zur Verminderung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid seien die Senkung des Energieverbrauchs und der Einsatz erneuerbarer Energien. Große Hoffnungen würden beispielsweise in den großflächigen Einsatz von Biomasse gesetzt. Diskutiert würden auch das Einfangen und unterirdische Einlagern von Kohlendioxid und die Rolle der Atomkraft. Beide Möglichkeiten seien aber umstritten, sagte Edenhofer.

"Radikale Maßnahmen" notwendig

"Das Klimaproblem ist außerordentlich dramatisch, dementsprechend sind auch radikale Maßnahmen notwendig", erklärte PIK-Präsident Hans Joachim Schellnhuber. Sollte die Erderwärmung über die zwei Grad hinaus gehen, ginge es nicht mehr um volkswirtschaftliche Schäden, sondern um unbeherrschbare Risiken für das Leben der Menschen. Deshalb sei ein Klimaabkommen wichtig, dass über die Kyoto-Vereinbarung hinausgeht und bei dem nicht nur die Industriestaaten einbezogen werden. Es werde außerdem darauf ankommen, dass der Emissionshandel durch eine gezielte Förderung von Technologien ersetzt werde.

Schellnhuber hofft, dass die Ergebnisse der Konferenz in Potsdam weltweit Einfluss auf die Entscheidungen von Politikern und Wirtschaftsvertretern haben. Er könne bereits eine Veränderung der Haltung einiger Verantwortlicher feststellen. Viele dynamische Unternehmen hätten sich auf die neuen Herausforderungen eingestellt und seien für die Zukunft gut gerüstet. (APA/dpa)

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