Carlyle Group steigt bei Wiener Softwarehaus UC4 ein

26. März 2006, 18:04
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Expansion in den USA soll vorangetrieben werden - Gutes Geschäft für bisherige Investoren

Die Carlyle Group investiert über ihren Technologie-Fonds "Carlyle Europe Technology Partners" in UC4 Software und übernimmt rund 85 Prozent des österreichischen Softwareunternehmens. Der bisherige Mehrheitseigentümer und UC4-Chef Franz Beranek hält zusammen mit anderen Führungskräften die restlichen Anteile. Zum Kaufpreis wollte sich Beranek heute, Donnerstag, vor Journalisten nicht äußern. Durch den Deal soll vor allem die Expansion in den USA vorangetrieben werden.

Eine gewisse Größe erreicht

"Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 30 Prozent und einem Umsatz von rund 25 Mio. Euro haben wir eine gewisse Größe erreicht, die uns für Investoren interessant gemacht hat", sagte Beranek. Drei Private Equity-Firmen seien schließlich auf der Shortlist gestanden, darunter die Carlyle Group. "Die Entscheidung ist auf Grund des partnerschaftlichen Umgangs gefallen. Da wurde nicht gesagt: 'Wir sind die große Carlyle Group und ihr müsst tun, was wir sagen'", erklärte der UC4-Geschäftsführer, der diese Position auch nach dem Einstieg behalten wird.

Die zweite Carlyle-Investition in Österreich

UC4 Software ist die zweite Carlyle-Investition in Österreich nach dem Maschinenbauer Andritz, an dem das Unternehmen von 1999 bis 2003 beteiligt war. Der aktuelle Deal muss noch von den deutschen Bundeskartellbehörden genehmigt werden, Schwierigkeiten werden nicht erwartet. Die Prüfung der Übernahme findet in Deutschland statt, da dort laut den Angaben ein Großteil des Umsatzes erzielt wird.

"Wir verwalten ein Anlagevolumen von 35 Mrd. US-Dollar und interessieren uns für Unternehmen mit einem Wert zwischen 25 und 250 Mio. Euro. Die Behaltedauer im Technologiebereich beträgt drei bis sechs Jahre, wir sind also ein langfristig orientierter Investor", so Michael Wand, Direktor der Carlyle Group. Das globale Netzwerk und der "finanzielle Rückhalt" des Investors soll die auf die unternehmensweite Steuerung und Überwachung von IT-Prozessen (Job Scheduling) spezialisierte Firma bei der weiteren Expansion unterstützen.

Interesse

"Interessant sind für uns vor allem die USA, die die Hälfte des Weltmarktes für Job Scheduling-Lösungen darstellen. In Frage kommt aber auch Asien", gibt Beranek die Marschrichtung vor. Neben organischem Wachstum seien künftig auch Partnerschaften und Zukäufe nicht ausgeschlossen. "Der Markt ist reif für eine Konsolidierung", ist der UC4-Chef überzeugt. UC4 besitzt Niederlassungen in Europa, den USA und Australien. Der Großteil der Produktentwicklung findet am Unternehmenssitz in Wolfsgraben bei Wien statt. Mitbewerber sind IBM, CA (Computer Associates), BMC und kleinere spezialisierte Firmen.

Die mit jeweils 20 Prozent an der UC4 Software beteiligten österreichischen Finanzinvestoren Pontis Venture Partners und Capexit verkaufen ihre Anteile ebenfalls an die Carlyle Group. Für sie dürfte sich der Einstieg vor knapp zwei Jahren gelohnt haben: "Wir erwarten bei unseren Beteiligungen eine Rendite von 20 bis 30 Prozent. Das wurde in diesem Fall deutlich übertroffen. Der Deal hat sich für alle Beteiligten ausgezahlt", erklärte Capexit-Vorstand Christian Kaltenegger im Gespräch mit der APA.

Im Vorjahr verzeichnete UC4 ein Umsatzplus von 29 Prozent auf 24,8 Mio. Euro, für heuer wird ein Wachstum von mehr als 20 Prozent angestrebt. Das Unternehmen wurde 1985 gegründet und beschäftigt zurzeit knapp 150 Mitarbeiter. Rund 750 Unternehmen, darunter AUA, Palmers, OMV, TUI, ÖBB oder Novartis, stehen laut den Angaben auf der Kundenliste.(APA)

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