Lawrence Weiner in der Bawag Foundation

20. März 2006, 22:35
posten

"X Y & Z" - Drei neue Wandarbeiten und ein Buch als beauftragte "Sprachskulpturen" des US-Konzeptkünstlers

Wien - Um das Verhältnis zwischen oben und unten, um Hierarchie versus Gleichwertigkeit kreist die Ausstellung "X Y & Z" von Lawrence Weiner, die ab Donnerstag in der Wiener Bawag Foundation zu sehen ist. Der alte Hase der Konzeptkunst hat als Auftragswerke drei große Wandgemälde und ein Künstlerbuch geschaffen, die typografische Klarheit mit Komplexität verbinden und zu vielfältigen Gedankenspielen einladen.

Gleichgewichtsverhältnisse

Zwei Arbeiten, eine in Schwarz, Rot und Silber, die zweite in Blau und Orange, sind im Obergeschoß zu sehen: Piktogramme mit drei bzw. zwei diagonal verschränkten, wie bei einer Wippschaukel angeordneten Balken, die zugleich Bezug nehmen auf den ansteigenden Ausstellungsraum. Plus- und Minus-Zeichen und ein signalrotes "&"-Zeichen verweisen auf die prekären Gleichgewichtsverhältnisse etwa zwischen dem "was oben ist" und "was unten ist", wie zwei der Schriftzeilen lauten. Beide Arbeiten sind jeweils in einer deutschen und einer englischen Version ausgeführt. Indem er den geschlechtsneutralen englischen Artikel im Deutschen durch ein "XXX" ersetzt, reflektiert Weiner auch in der Sprache manifestierte Machtverhältnisse.

Der 1942 in der New Yorker Bronx geborene Künstler, der schon den Wiener Flakturm im Esterhazypark beschriftet hat, bezeichnet seine Wandmalereien als "Skulpturen". "Sie entstehen im Kopf des Betrachters", erläuterte er bei der Presseführung am Donnerstag. Die dritte Arbeit im Untergeschoss ist für ihn allerdings kein Kunstwerk, sondern soll als "paradigmatische Zeichnung" lediglich die Erklärung für die beiden oberen Arbeiten liefern. Hier wird etwa die Bedeutung von "X, Y & Z" für männlich, weiblich und die Gemeinschaft entschlüsselt.

Denkmodelle mit utopischem Potenzial

In seinem Künstlerbuch, das semantische und grammatikalische Symbole mit physikalischen Begriffen und grafischen Elementen mischt und an ein Bilderbuch für Kinder erinnert, spielt Weiner dann seine Denkmodelle gleichsam weiter durch. Ein Projekt mit utopischem Potenzial, gesteht Weiner zu, der sich als "echter amerikanischer Sozialist" bezeichnet: "Es ist zumindest ein Versuch, Hierarchien aufzulösen." (APA)

  • Lawrence Weiner:  
"X Y & Z" (2006)
    foto: bawag / vbk, wien

    Lawrence Weiner: "X Y & Z" (2006)

Share if you care.