Nico Rosberg, künftiger Weltmeister?

26. März 2006, 12:01
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20-Jähriger Williams-Pilot steht eine Woche nach seinem Sensations-Debüt in Bahrain vor der nächsten Talentprobe

Sepang - Nico Rosberg ist der Brückenschlag in die Zukunft der Formel 1. Der 20-jährige Deutsche würde problemlos als Mitglied einer hippen Boy-Band durchgehen, was ihn selbst jedoch herzlich wenig kümmert. "Ich weiß, aber lieber bin ich ein Formel-1-Pilot", schmunzelte der früher vom Pop-Sender VIVA gesponserte Williams-Youngster in Sepang. Dort will er am Sonntag beweisen, dass sein Sensations-Debüt vor einer Woche in Bahrain kein Zufall war.

Schnellste Rennrunde beim Debüt

Zwei WM-Punkte gleich beim ersten Formel-1-Rennen, dazu als erst vierter Pilot (zuletzt schaffte das Jacques Villeneuve) gleich beim Debüt die schnellste Rennrunde, das hatte nicht nur Nicos finnischen Weltmeister-Vater Keke Rosberg stolz gemacht. "Ich war angetan vom Interesse der Medien, auch wenn es viel Energie und Zeit gekostet hat", gestand Rosberg, dass ihn die Formel 1 gleich voll überrollt hat. "An den Medienrummel muss ich mich erst gewöhnen."

"Ein bissl was Österreichisches"

Der in Wiesbaden geborene deutsch-finnische Doppelstaatsbürger wohnt in Monaco. Er fühle sich aber "so weit es geht als Deutscher, obwohl ich da nie gelebt habe", klärte er auf. Nicos Eltern haben außerdem einen Wohnsitz in Spanien und ein Haus in Zell am See, wo Nico auch für einige Monate den Kindergarten besucht hat und heute seine Eltern im Winter oft besucht. "Also habe ich auch ein bissl was Österreichisches." Insgesamt, so Rosberg, "war ich aber zu kurz da, um wirklich einen Freundeskreis in Zell zu haben."

"Kein Wort Finnisch"

Rosberg ist viersprachig, beherrscht neben Deutsch und Englisch auch fließend Italienisch und Französisch. "Nur Finnisch spreche ich kein Wort. Was schade ist, denn gerade jetzt ist wegen meines Vaters das Interesse dort riesengroß", bedauert Nico. Leichter tut er sich auf einem anderen Gebiet. "Im Fußball halte ich zu Deutschland, beim Eishockey zu Finnland. Also immer zu denen, die es weit bringen können", gab er unumwunden zu. Dass die Formel 1 immer jünger wird, sei gut. "Selbst die Topfahrer wie Fernando Alonso und Kimi Räikkönen sind ja gerade mal 25."

Nach dem starken Debüt in Bahrain geht Rosberg "wesentlich entspannter und mit viel Selbstvertrauen" in das Rennen in Sepang, obwohl er hier noch nie gefahren ist. "Geübt" hat er nicht auf der Playstation ("das bringt wenig bis nichts") sondern auf dem Williams-Simulator. "Das ist viel realistischer. Insgesamt weiß ich jetzt aber schon besser, wie die Formel 1 funktioniert. Seine Erfahrung aus der GP2-Klasse sei nämlich kaum umsetzbar. "Ein GP2-Rennen dauert nur 50 Minuten. Dort kannst du zudem auf fast jedem Streckenteil überholen, in der Formel 1 an vielleicht zwei."

"Sehr happy, dass so ein Start möglich war"

Dass er vielfach bereits als kommender Weltmeister gehandelt wird, lässt Rosberg kalt. "Ich bin sehr happy, dass so ein Start möglich war. Damit habe ich doch einigen bewiesen, dass ich auch in einem Rennen schnell sein kann." Mit den hohen Erwartungen habe er prinzipiell kein Problem. "Aber Vorsicht. Es ist meine erste Saison, ich bin jung und ich muss noch viel lernen. Man sollte also nicht allzu viel erwarten."

In Bahrain hatte Rosberg gleich nach dem Start einen Riesenbock geschossen und einen Auffahrunfall mit dem BMW von Nick Heidfeld provoziert. "Er war dann später der Pilot, der am schwersten zu überholen war. Er war wohl sauer auf mich", erinnerte sich Rosberg. Gelernt habe er daraus, "dass die erste Kurve nicht so wichtig ist. Ich war nach dem Fehler Stockletzter und bin trotzdem in die Punkte gefahren. Hätte ich nicht diesen Fehler am Anfang gemacht, wäre sogar ein Platz zwischen drei und fünf möglich gewesen." In Sepang wolle er prinzipiell aber nicht viel ändern. "Ich weiß jetzt ja, was auch mich zukommt. Außer wie es ist, zu gewinnen." (APA)

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    Nico Rosberg schlägt in der Formel 1 ein wie ein Blitz.

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