Nachlese: Anleger bündeln ihre Kräfte

11. Juli 2006, 16:10
posten

16.000 Anleger sind von der Amis-Betrugsaffäre betroffen - Verein bündelt die offenen Forderungen, die Prozessfinanzierungsgesellschaft AdvoFin vertritt diesen vor Gericht

Wien - Das nennt man ein perfektes Timing. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die beiden in Venezuela festgenommenen mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Amis-Anlegerbetrugsaffäre nun doch an die österreichische Justiz ausgeliefert würden. Am Donnerstag stellte sich der Amis-Sammelklage-Verein medial ins Rampenlicht.

Dieser Verein wurde gegründet, um die offenen Forderungen der Anleger des in Konkurs befindlichen Wiener Finanzdienstleisters Amis und dessen Tochter Amis Finance Consulting (AFC) zu verwalten. Die unter dem Verdacht des Betrugs und der Veruntreuung von Anlagegeldern stehenden Firmengründer Harald L. und Dietmar B. sollen von 1992 bis 2005 rund 16.000 Kunden geschädigt haben. Der Großteil stamme aus Österreich und Deutschland. Zudem seien Anleger aus Russland (1000), Weißrussland (500), Estland, Lettland und Litauen (jeweils rund 200 bis 300) geschädigt worden. Bisher wurden 330 Mio. Euro an Forderungen angemeldet, bereinigt um Doppelmeldungen seien es rund 200 Mio. Euro. Für alle Beteiligten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Ohne Kostenrisiko

Den Anlegern bietet der Verein die Möglichkeit, die anstehenden Prozesse und Geldrückforderungen ohne Kostenrisiko führen zu können. Bis 12. Mai 2006 haben die Anleger Zeit, ihre Forderungen an den Verein abzutreten.

"Es handelt sich vornehmlich um schlecht informierte Anleger, deren Geld schlecht verwaltet wurde. Möglicherweise wurde sogar bewusst in die eigene Tasche gearbeitet", sagt Werner Albeseder, Wirtschaftsprüfer und Vorstandsvorsitzender des Amis-Sammelklage-Vereins. 2000 der geschädigten Anleger sind dem Verein bisher beigetreten. "Durch die Bündelung der Ansprüche möglichst vieler Amis-Anleger verstärkt sich unsere Verhandlungsposition enorm", sagt Albeseder.

Vertretung vor Gericht

Vor Gericht wird der Verein von der österreichischen Prozessfinanzierungsgesellschaft AdvoFin vertreten. Sie übernimmt auch im Falle des Unterliegens sämtliche im Prozess entstandenen Kosten, im Gegenzug erhält sie eine Beteiligungsquote am Prozesserlös - meist zwischen 20 und 50 Prozent. In diesem Fall seien es 36 Prozent. Ein in Österreich bislang seltenes Phänomen. Doch bereits im Vorjahr konnte die AdvoFin Anlegeransprüche vor Gericht durchsetzen: Für die von der AdvoFin vorfinanzierten Kläger in der Causa WEB konnte ein Ergebnis von 12,4 Mio. Euro erreicht werden. "Wir sind ein kapitalstarkes Unternehmen. Beim WEB-Prozess haben wir 5,6 Millionen aktives Kapital eingesetzt. Wir strecken Geld vor - das ist unser Geschäftszweck", sagt AdvoFin-Vorstand Franz Kallinger.

Die Republik Österreich stehe als Haftungsadressat ganz oben auf der Liste. Derzeit prüfe man, ob die Republik eine entsprechende EU-Richtlinie richtig umgesetzt habe. "Wenn nicht, ist die Republik haftbar", sagt Kallinger. (jüm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.3.2006)

Share if you care.