T-Mobile/telering - EU-Entscheidungsentwurf kommt Ende der Woche

20. März 2006, 15:33
posten

Wettbewerbsbehörde hatte in Zwischenbericht im Februar schwere Bedenken gegen 1,3 Mrd. Euro schwere Mobilfunk-Fusion geäußert

Bei der EU-Wettbewerbsprüfung der geplanten Übernahme des viertgrößten österreichischen Mobilfunkbetreibers tele.ring durch den Marktzweiten T-Mobile Austria dürfte es bereits Ende März eine Art Vorentscheidung geben. Die EU-Kommission, die den Deal seit Monaten prüft, werde Ende nächster Woche oder Anfang übernächster Woche einen Entscheidungsentwurf (so genannte "draft decision") verschicken, erfuhr die APA aus Branchenkreisen.

Übernahme auf der Kippe

Die 1,3 Mrd. Euro schwere Übernahme stand zuletzt auf der Kippe, nachdem die EU-Wettbewerbsbehörde in einem Zwischenbericht Anfang Februar schwere Wettbewerbsbedenken gegen die Mobilfunkfusion geäußert und die Prüffrist bis 28. April verlängert hatte. Der Deal würde den Wettbewerb am österreichischen Mobilfunkmarkt "erheblich behindern" und sei "nach derzeitigem Kenntnisstand (...) unvereinbar" mit den Marktregeln der EU, "infolge des angemeldeten Zusammenschlusses würde mit tele.ring der preisaggressive 'Maverick' (Preisbrecher, Anm.) ausfallen", hieß es wörtlich dem internen Zwischenbericht. Durch die Mobilfunkfusion würden der Marktführer Mobilkom Austria und T-Mobile künftig gemeinsam auf mehr als 75 Prozent Marktanteil kommen.

Vertrag mit dem UMTS-Anbieter Hutchison ("3") nach Brüssel geschickt

Um die Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörde zu zerstreuen, hat T-Mobile in den vergangenen Tagen und Wochen nun mehrere neue Gutachten über den heimischen Mobilfunkmarkt und einen rechtsgültigen Vertrag mit dem UMTS-Anbieter Hutchison ("3") nach Brüssel geschickt, der die Abgabe von etwa 2.000 der insgesamt 3.700 tele.ring-Sendestationen und von UMTS-Frequenzen binnen eines Jahres an Hutchison vorsieht. Mit dieser Auflage will die EU-Kommission nachhaltigen Wettbewerb am heimischen Mobilfunkmarkt sicherstellen, indem Hutchisons Position gestärkt wird.

Hilfe von der Regierung

Außerdem hatte T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl Ende Februar Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einem Brief um Intervention in Brüssel gebeten. T-Mobile habe aus "sehr guter Quelle in Brüssel" erfahren, dass "der Fall tele.ring nur noch auf höchster politischer Ebene in unserem Sinn zu lösen sei". Die EU-Kommission vermisse ein "klares Signal der österreichischen Regierung, dass diese den Deal befürwortet", hieß es in dem Schreiben. Pölzl hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass der Deal von den Brüsseler Wettbewerbsbehörden genehmigt wird: "Ich kann mir eine Untersagung gar nicht vorstellen", hatte Pölzl bei der T-Mobile-Bilanzpressekonferenz Anfang März betont.

Kritik

Den Vertrag mit dem tele.ring-Verkäufer, dem US-Telekomunternehmen Alltel, hatte T-Mobile bereits im August 2005 unterzeichnet, das Wettbewerbsverfahren in Brüssel hatte den Deal aber zuletzt verzögert. Kritisch gegen den Deal hatte sich zuletzt auch der drittgrößte österreichische Mobilfunkbetreiber One geäußert. Die geplanten Auflagen für die Übernahme - nämlich die Abgabe von tele.ring-Sendestationen und UMTS-Frequenzen an den UMTS-Betreiber Hutchison - seien nicht dafür geeignet, um den Wettbewerb am heimischen Mobilfunkmarkt nachhaltig zu sichern, hatte One-Chef Jorgen Bang-Jensen betont.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.