Eine Pasta macht noch keinen Sommer

18. März 2006, 15:34
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Drei neue Adressen, wo das einfache italienische Mittagessen auch in Wien schlicht und schön zelebriert wird

Wiens bester Alimentari, das "L'Ora Giusta" in Wien-Döbling, hat wegen Renovierung zu. Auf die selbst gemachten und importierten Köstlichkeiten von Ex-Fußballer und Antipasti-Meister Giancarlo Ferrarese wird man noch mindestens bis Juli verzichten müssen. "Dann aber wird alles viel schöner und noch besser", verspricht Partner Roman Kotesovsky. Da Abwarten und Proseccotrinken in so einem Fall keine Option sind, wollen schleunigst Überbrückungshilfen gefunden werden. Schon klar, die Schwindel erregende Sortimentstiefe der winzigen "L'Ora Giusta" war einzigartig - so etwas wird man anderswo nicht erwarten dürfen. Dafür können andere mehr Platz für Gäste bieten.

"Buongusto Calabria"

Bisherige Ferrarese-Stammkunden etwa müssen gar nicht weit pilgern: In der Semperstraße betreibt Antonio Torquato sein "Buongusto Calabria". Das rührend altmodische Geschäft beherbergt eine Fülle rarer Schätze aus dem familieneigenen "Agroturismo" an der Tyrrhenischen Küste, weit unten am Rist des Stiefels: Gemüse, das von Torquatos Eltern eingesalzen und in Öl gelegt wird; in Olivenöl konservierte, grüne "Olive schiacciate"; eingemachte und in Limonadenflaschen gefüllte "Passata di Pomodoro" - konkurrenzlos aromatische Tomatenbasis für Sugo; Olivenöl aus neuer Ernte, apulische Pasta, Hülsenfrüchte und einiges mehr. In der Kühlvitrine hingegen liegt vergleichsweise wenig, das aber ist von bester Qualität: scharfe Würste, wie man sie in Süditalien liebt, einige Hartkäse, ein günstiger, weißer Schankwein, das war's dann.

Antonio ist seit 2001 in Wien, Deutsch spricht er kaum. Dafür ist sein Englisch wunderhübsch melodisch und der tägliche, fast immer vegetarische Pasta-Teller um wohlfeile € 4,90 garantiert al dente und von durch und durch italienischer Qualität. Ricotta wird auf Bestellung hausgemacht, Ravioli ebenso. Mittags bietet er ein kleines Buffet an, da gibt es Salate, gegrilltes Gemüse, oft einen köstlichen Braten (noch warm oder, nicht minder gut, kalt aufgeschnitten), ein bis zwei Pastagerichte. Dazu köstliches Weißbrot oder gummige Anker-Semmeln, je nachdem, ob Zeit war, beim Bäcker vorbeizuschauen.

Höchstens acht Personen dürfen laut Betriebsgenehmigung gleichzeitig verköstigt werden - das hat aber sein Gutes: Antonio hat durchaus schusselige Züge, sodass es bei vollem Geschäft bald einmal empfindlich lange dauern kann, bis man bedient wird - etwa, weil er gerade damit beschäftigt ist, den am Nebentisch bestellten Caffè ristretto mit einem winzigen Milchschaumhäubchen und etwas Kakaostaub zu dekorieren. Sobald der aber serviert ist, in herrlich altmodischen Mokkatässchen mit Goldrand, will man garantiert dasselbe: So viel Liebe wird einem um € 1,50 sonst nirgendwo angetan.

"Dal Toscano"

Ein verblüffend günstiges Mittagsmenü (das man freilich bis zur Sperrstunde um Mitternacht bestellen kann) bietet auch Giovanni Marino in seinem eben eröffneten "Dal Toscano" in der Alser Straße an: um € 5,50 gibt es Vorspeise plus Pasta von der winzigen Doppel-Kochplatte. Diesmal waren das ein halbwegs ordentlicher Meeresfrüchtesalat und wirklich guter, vom Pecorino-Duft förmlich übergehender, cremiger Risotto mit Pilzen. Marino war jahrelang Restaurantleiter bei Wiener Edel-Italienern (Da Conte, Barbaro), nun hat er mit Freundin Martina ein eigenes Lokal eröffnet: "Ich beherrsche etwa 15 Pasta-Rezepte, die werden sich abwechseln, sonst nichts", sagt Giovanni, der dem Klischee des lateinischen Schönlings mit Goldkreuz über behaarter Brust ziemlich nahe kommt. In der Kühlvitrine lagern erstklassige Käse (Caciocavallo!) und Wurstwaren, ein paar selbst gegrillte Antipasto-Gemüse und feine Oliven. Die Weine sind billig: Antinoris beliebter "Santa Cristina" oder ein Pinot Grigio von Pighin sind um kaum zehn Euro die Flasche zu haben, da wundert es nicht, dass der Laden allabendlich zum Bersten voll ist.

Pasquale Spanu

Die eine oder andere gute Flasche findet sich auch bei Pasquale Spanu in der Liechtensteinstraße. Sein "Pasquales" bezeichnet er zwar als "Alimentari", dabei bietet er kaum Viktualien über die Gasse, stattdessen aber eine Speisekarte, die von der Zahl der Positionen mit ausgewachsenen Restaurants konkurrieren kann. Das ist auch das Problem des sympathischen Kochs aus Jesolo: Wenn mehrere Kunden im Lokal sind, dann passiert ihm allzu leicht, dass etwa die Pasta weich kocht und die Sauce zur Scholle gar heftig säuerlich gerät. Dennoch bieten zum Beispiel die Tagliatelle "Crudaiola" mit Tomaten, Rucola, Rohschinken und Parmesan großartiges Preis-Leistungsverhältnis. Focaccia wird täglich selbst gebacken und der "Grappa di Radicchio rosso" für nachher ist eine köstliche Gemeinheit.
(Severin Corti/Der Standard/rondo/17/03/2006)

Fotos:
Gerhard Wasserbauer

"Buongusto Calabria"
Semperstr. 40
1180 Wien
Tel.: 01 / 890 29 97
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"Pasquales"
Liechtensteinstr. 15
1090 Wien
Tel.: 01 / 317 42 97

"Dal Toscano"
Alser Str. 65
1080 Wien
Tel.: 0699 / 11 304 371
  • Buongusto Calabria: Antonio Torquato aus Lamezia Terme kocht wunderbare Pasta und holt tolle Braten aus dem Rohr. Selbst eingelegtes Gemüse und scharfe Würste kommen aus der Heimat.
    foto: gerhard wasserbauer

    Buongusto Calabria: Antonio Torquato aus Lamezia Terme kocht wunderbare Pasta und holt tolle Braten aus dem Rohr. Selbst eingelegtes Gemüse und scharfe Würste kommen aus der Heimat.

  • Pasquale Spanu aus Jesolo kocht im Pasquales.
    foto: gerhard wasserbauer

    Pasquale Spanu aus Jesolo kocht im Pasquales.

  • Giovanni Marino aus Florenz macht gute Pasta und Risotti im Dal Toscano.
    foto: gerhard wasserbauer

    Giovanni Marino aus Florenz macht gute Pasta und Risotti im Dal Toscano.

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