Auf Gran Canaria setzt man schon seit Jahren auf die Kaufkraft der Schwulen und präsentiert sich "gay friendly"
Den Weg zum Strand weisen Holzpfähle, die alle paar Meter in den lehmigen Boden gerammt sind. An sie sollte man sich halten. Verlässt man diesen Pfad auch nur für wenige Schritte, steht man schon orientierungslos in einer Wüste. Eine Düne nach der anderen, nur Sand bis zum Horizont, darüber Himmel.
Zwischen den Hotelhochburgen Playa del Inglés und Maspalomas auf der spanischen Atlantikinsel Gran Canaria grenzt eine 250 Hektar große Dünenlandschaft direkt an den Ozean. Die Sandmassen stammen von brandungszerriebenem Korallenkalk. Der Wind bläst sie landeinwärts, wo sie sich zu wandernden Sicheldünen formieren.
Neben sich tummelnden Eidechsen, Kaninchen und Vögeln wachsen auch Pflanzen mit exaltierten Namen wie Schizogyne. Um sich wieder zu orientieren, ist die auffällige kanarische Dattelpalme mit den drei Stämmen nützlich, denn hier sind die Dünen stärker bewachsen. Gelegentlich zeigen sich Männer auf den sanften Kuppen des Naturschutzgebiets. Sie sind nackt und schauen sich suchend um. Dringt man tiefer in die Tamariskenhaine vor, entdeckt man zwischen Traganum-Strauch und rosa Strandflieder kleine, windgeschützte Sandgruben. Und darin vielleicht zwei nackte Männer, die gefunden haben, was sie vorher suchten.
Pink Playa del Ingles
Playa del Ingles ist einer der beliebtesten Urlaubsorte für schwule Männer. Dafür braucht es eine liberale Atmosphäre, in der homosexuelle Männer und Paare gern ihren Urlaub verbringen. Andere warme Hotspots verdanken diese Stimmung dem Jetset-Flair vergangener Tage wie Mykonos oder einer ehemaligen Künstlerkolonie, wie Sitges im Süden von Barcelona. In Playa del Inglés wurden bereits im 19. Jahrhundert in der Abgeschiedenheit der Dünen Männerfreundschaften gepflegt. Heute ist die spezielle Zielgruppe schlicht eine Vorgabe der Tourismuswirtschaft. Schwule sind ein lukratives Segment. Sie sind um 30 Prozent reiselustiger als heterosexuelle Männer und geben durchschnittlich um 45 Prozent mehr Geld aus, hat eine Studie der Austrian Gay Professionals und der Pink Marketing GmbH im Jänner 2006 ergeben.
Playa del Inglés setzt diese Erkenntnis schon lange in "Pink Money" um. Mit fast 365 Badetagen im Jahr gilt es, in den Nebensaisonen für Auslastung zu sorgen. Daher begrüßt man gern Schwule, die unabhängig von Schulferien auf Urlaub fahren.