Tirol: Eine Million Euro als Körberlgeld

16. März 2006, 19:18
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Kern der Kritik ist, dass in Tirol die Privathonorare die Primarii verrechnen und nicht die Krankenanstalten

Die Privathonorare der Primarärzte sorgen wieder einmal für Aufregung in Tirol. Jetzt versucht sich Landesrätin Anna Hosp daran, den 35 Millionen schweren Jackpot zu knacken und eine gerechtere Verteilung durchzusetzen.

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Innsbruck - Eine verfassungskonforme Regelung der Privathonorare für die Primarärzte strebt Landesrätin Anna Hosp (VP) an, die seit zwei Monaten für den Landeskrankenanstaltenträger Tilak zuständig ist. Dass das unter Parteifreundin Elisabeth Zanon 1998 beschlossene Gesetz der Verfassung widerspricht, ist nicht erst seit einer Prüfung des Rechnungshofes im Vorjahr bekannt. Die Mängel waren schon der Bundesregierung 1998 aufgefallen. Diese teilte ihre Sichtweise mit, verzichtete aber darauf, das Gesetz zu beeinspruchen.

Von privat versicherten Patienten

Kern der Kritik ist, dass in Tirol die Privathonorare die Primarii verrechnen und nicht die Krankenanstalten. Deshalb gibt es auch keine genauen Zahlen darüber, wie groß der Kuchen ist. Schätzungen gehen von 35 Millionen Euro aus, die allein an der Innsbrucker Klinik jährlich von privat versicherten Patienten kassiert werden - Einnahmen von ausländischen Privatpatienten nicht mitgerechnet.

Kurt Grünewald, Arzt an der Innsbrucker Klinik und grüner Wissenschaftssprecher, berichtet, dass sich Patienten der Sonderklasse oft darüber wundern, von einem Arzt eine Rechnung zu bekommen, den sie nie zu Gesicht bekommen hätten. Das sei rechtens, aber schwer nachvollziehbar. Unerträglich ist für Grünewald, dass derzeit gleich qualifizierte Ärzte für vergleichbare Tätigkeiten teilweise im Verhältnis 1:10 entlohnt würden.

Nach der aktuellen Regelung fließt ein Hausanteil von zehn Prozent an die Tilak und 40 Prozent an das nachgeordnete Personal. Von einigen Primarärzten ist bekannt, dass sie freiwillig mehr weitergeben, von anderen wird vermutet, dass sie mehr als eine Million Euro jährlich an Zusatzeinkommen kassieren.

Transparente Abrechnung

Die Grünen wollen nun eine Gesetzesinitiative ergreifen, die eine zentrale und transparente Abrechnung, autonome Poolräte der nachgeordneten Ärzte, einen Ausgleichspool für Kliniken mit geringen Einnahmen und eine höhere Beteiligung für Personal und Krankenhaus vorsieht. Verwiesen wird auf ein kompliziertes, aber gerechtes Modell, das in der Steiermark noch unter VP-Dominanz eingeführt worden ist.

Hosp ist für die Vorschläge aufgeschlossen und will den Hausanteil auf "mindestens 20, 25 Prozent erhöhen" - auch deswegen, weil der Tilak-Abgang seit 2002 von zwei auf 17 Millionen Euro explodiert ist. Bei den Primarärzten denkt Hosp an eine degressive Obergrenze: je höher das Einkommen des Einzelnen, desto höher der Hausanteil. Der Hausanteil soll auch dort größer sein, wo (von der öffentlichen Hand bezahlte) medizinische Geräte in der Behandlung eine Hauptrolle spielen.

Verhandlungen mit den Klinikchefs sind nicht vorgesehen: "Es wäre relativ schwierig, Einverständnis von jenen zu erhalten, die von der Reform am stärksten betroffen sind", sagt Hosp. (Hannes Schlosser, DER STANDARD Printausgabe 16.3.2006)

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