TEFAF 2006-Rückblick: Jubiläen und andere Verkaufsargumente

20. März 2006, 22:34
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Überzeugend dank Qualität, Verkaufs- und Besucherzahlen, nicht mit dem an eine Gartenbau-Messe erinnernden Leitmotiv

Maastricht - Dass er mit seinem Highlight keine Begehrlichkeiten bei österreichischen Kuratoren weckt, quittiert David Koetser vermutlich ebenso mit einem müden Lächeln wie die von selbst ernannten Hals-Experten zur aktuellen Zuschreibung seines Highlights über die Medien lancierten Kommentare. 12,5 Millionen Dollar sind für das frisch restaurierte Porträt des Bürgermeisters Pieter Jacobs Olycan veranschlagt, gemäß der jahrelangen Forschung und dem nunmehr vom Züricher Veteran veröffentlichten Ergebnis ein authentisches Werk von Frans Hals (1582/ 1585-1666).

Familien-Verve könnte der Titel der Geschichte dahinter lauten. 1967 im Auktionssaal von Christie's London: Leonard Koetser, Firmengründer und Vater Davids, greift tief in die Tasche und setzt sich mit einem Gebot von damals satten 52.500 Pfund gegen einen Amerikaner durch. Kurze Zeit später ziert es die Wand in der Bibliothek eines Privatsammlers. Der Publikation des Hals'schen Werkverzeichnises folgte eine Neubewertung des rund 66 mal 56 cm großen Gemäldes. Es sei nur eine Kopie, und demnach mit 8000 bis 12.000 Pfund anzusetzen, so das Schreiben von Christie's im Frühjahr 1979. Pieter Jacobs Olycan zierte weiterhin die Bibliothek, auch nach dem Tod des Käufers. Im November 2002 unternimmt David Koetser gemeinsam mit dem Frans-Hals-Museum (Haarlem) und dem Kunsthistoriker Pieter Bisboer einen weiteren Anlauf. Am Ende stehen - abgesehen von typischen Merkmalem in der Malweise - belegbare Fakten: Die vom Autor des Werkverzeichnisses beanstandete Hand entpuppt sich als spätere Ergänzung aus dem Jahr 1675, eine Untersuchung (Jahresringchronologie) datiert das Paneel bzw. den Fäll-Zeitpunkt des Baumes auf 1625, und eine Kostümspezialistin identifiziert das Gewand des Dargestellten als in dieser Zeit charakteristisches Amtsornat.

Die zugehörige, in Maastricht am Stand aufgelegte Broschüre empfiehlt sich als spannende Lektüre. Sie zeigt die andere, bisweilen unterhaltsamere Seite des Kunstmarktes, jene, die Geschichten abseits von Verkaufs- und Besucherzahlen bereithält.

Denn hier gibt es Kunst, die Vergangenes erzählt und erlebbar macht: Probesitzen im Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert; ein vermeintlicher Kamm wird als Kannibalen-Gabel identifiziert, noch im 19. Jahrhundert von hohen Würdenträgern in Polynesien in Verwendung (12.000 Euro / Galerie Meyer-Oceanic Art / Paris). Die Entwicklungsgeschichte der Tapete erschließt sich anhand fein bemalter und geprägter Goldleder-Variationen des 16. bis 19. Jahrhunderts in Preisklassen von 3000 Euro bis 400.000 Euro (Kunsthandel Glass / Essen).

Das alles ist Maastricht, wobei die nach dem ersten Wochenende verlautbarten Zahlen keine vernachlässigbare Größe darstellen: 31.500 Besucher, 218 Aussteller, von denen knapp zehn Prozent für Umsätze in achtstelligen Euro-Millionen-Höhen sorgten. Allen voran die Sektion Alte Meister: Rob Noortmann (Maastricht) trennte sich von 24 Bildern, der Londoner Johnny van Haeften von neun, darunter von einem Jan van Heyden für 1,4 Millionen Pfund, sowie Salomon Lilian (Amsterdam) vom Selbstporträt des Rembrandt-Schülers Willem Drost (450.000 Euro). Den Anschluss schafften sowohl die Klassische Moderne - etwa Thomas Salis als einziger Österreicher, der neun Arbeiten weiterreichte - als auch die Zeitgenossen und hier etwa Waddington Galleries, mit einem Umsatz von fünf Millionen Dollar.

Jubiläen gehören auch in der Welt des Kunstmarkts zur Vermarktungsstrategie. Neben dem bekanntem 400-jährigen von Rembrandt (Jakobus der Ältere, 45 Millionen Dollar, Salander O'Reilly / New York; Bärtiger mit rotem Wams, 27 Millionen Euro, Noortmann/Maastricht) auch weniger abgelutschte: Angela Wallwitz zelebriert das 300-jährige von Johann Joachim Kändler: 30 von 33 Theaterfiguren (18. Jhdt.) wechselten zwischen 9000 und 200.000 Euro den Besitzer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.3.2006)

Von Olga Kronsteiner
  • Schaukasten mit Wachsfrüchten von Francesco Garnier Valletti aus dem 19. Jahrhundert: für 150.000 Euro bei Piva & C srl (Mailand).
    foto: piva & c srl

    Schaukasten mit Wachsfrüchten von Francesco Garnier Valletti aus dem 19. Jahrhundert: für 150.000 Euro bei Piva & C srl (Mailand).

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