Blutzellen auf Tumorjagd

18. März 2006, 14:00
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"Search and destroy" als Devise eines internationalen Forschungsverbunds - genetisch veränderte T-Zellen sollen die Waffe sein

Köln - Mit dem Ziel, T-Zellen des körpereigenen Abwehrsystems genetisch so zu verändern, dass sie Tumore erkennen und zerstören, hat sich jetzt ein internationaler Forschungsverbund gebildet, der von der Europäischen Union mit zwölf Millionen Euro gefördert wird. "Wir wollen Blutzellen auf die Reise durch den Körper schicken, die Tumore gezielt aufspüren und bekämpfen", umreißt Hinrich Abken von der Klinik für Innere Medizin der Universität zu Köln die Vision des Verbunds.

Jetzt forscht ein internationales Wissenschaftler-Team an dieser T-Zellen basierenden Immuntherapie, die gegen ein breites Spektrum von Krebsarten gerichtet sein soll. Dazu werden T-Zellen mit einem Rezeptor ausgestattet, dessen passendes Gegenstück typischerweise auf Tumorzellen sitzt. Das verrät der T-Zelle mit Hilfe des Schlüssel-Schloss-Prinzips ihr Angriffsziel. Nach einer Bindung an die Krebszelle beginnen die T-Zellen sich zu vermehren und fangen an, Zytokine auszuschütten, welche die kranke Zelle zerstören.

Kontrolle ist die Voraussetzung

Zu Therapiezwecken sollen T-Zellen aus dem Blut des Patienten isoliert werden und nach genetischer Veränderung und Vermehrung Tumore aufspüren, die nicht operiert werden können, wie beispielsweise diffus metastasierender Krebs. "Diese T-Zellen können jedoch auch mit gesunden Körperzellen reagieren und sie zerstören", erklärt Abken, da gesunde Zellen die gleichen Bindungsstellen wie auch Krebszellen besitzen. Im Vergleich mit Tumorzellen befinden sich auf gesunden Körperzellen jedoch nur wenige solcher Bindungsstellen.

Daher hat der Forschungsverbund einen Schwerpunkt auf Sicherheitsaspekte gesetzt. Unter der Leitung von Hinrich Abken wird ein Wissenschaftler-Team prüfen, ob die so hergestellten T-Zellen unbeabsichtigte Nebenwirkungen wie Auto-Immunität, Entzündungsreaktionen oder unbegrenztes Zellwachstum haben. Man könne T-Zellen ohne Zweifel dazu bringen, Tumore abzutöten, doch sie hundertprozentig zu kontrollieren, sei eine andere Frage, so Abken abschließend. (pte)

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