"Abpfiff" als großes Vorbild für Österreich

16. März 2006, 15:01
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Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings und SP-Bundesfrauengeschäftsführerin diskutieren Maßnahmen für Fußball-WM

Wien - Seit der Falter furchtbare Telefonprotokolle von zum Teil Prominenten abdruckte, die sich teils minderjährige Prostituierte bestellt hatten, sind die SPÖ-Frauen "dran am Thema". Bettina Stadlbauer, die SP-Bundesfrauensekretärin, lud am Dienstag zum Hintergrundgespräch. Anlass war der Start zu "Abpfiff - Kampagne gegen Zwangsprostitution bei der Fußball-WM".

Henny Engels, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrats, wies auf den "Boom" der Kampagne hin. Sie hatte im Vorjahr vergeblich den Deutschen Fußball-Bund und alle deutschen Teamkicker kontaktiert, um darauf aufmerksam zu machen, dass zur WM-Zeit mit zigtausenden Zwangsprostituierten zu rechnen sei. Die Frankfurter Rundschau brachte eine Story unter dem Titel "Das Schweigen der Männer" und so den Ball ins Rollen. Mittlerweile hat sich der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger entschuldigt und die Schirmherrschaft übernommen.

Sabine Oberhauser, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, will "über die Heim-EM 2008 hinaus ein Bewusstsein schaffen". Stadlbauer hofft, dass ihre Initiative, die auf größeren Schutz und bessere Betreuung der Opfer abzielt, im Parlament überparteilichen Status bekommt. In Österreich werden jährlich etwa 150 Fälle von Frauen bekannt, die Opfer von Menschenhändlern werden. Die wenigsten sagen vor Gericht aus, in den vergangenen fünf Jahren wurde eine einzige Frau in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. (fri/DER STANDARD, Printausgabe 16.03.2006)

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