"Wien schwächelt" in der Küche

17. März 2006, 09:02
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Meinl am Graben erreichte als einziges Wiener Lokal Maximalwerte - Die Besten Köche Österreichs sind Köchinnen

VIPGOURMETguide-Sieger sind Lisl Wagner-Bacher und Johanna Maier

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Wien – Ein weiterer Beleg, dass Wien nicht die Hauptstadt Österreichs ist, wenn's ums Gastronomische geht: "Wien schwächelt", so das Urteil von Wolfgang Rosam am Mittwoch bei der Präsentation seines zweiten VIPGOURMETguide, der auf der Basis von 70.000 Bewertungen von 6000 Publikumstestern erstellt wurde.

Auch, so Rosam, sei wieder einmal und endgültig das Vorurteil widerlegt, dass in der Spitzengastronomie nun einmal die Männer am besten kochen würden. Denn, so das eindeutige Ergebnis der 6000 VIGOURMETclub-Mitglieder: Die Besten Köche Österreichs sind Köchinnen. Lisl Wagner- Bacher vom Landhaus Bacher in Mautern (NÖ) und Johanna Maier vom Hubertus im Salzburger Filzmoos.

Die "Idealnote"

Im Gegensatz zu anderen Lokalführern, die noch nie eine Maximalwertung vergaben, erhielten beide die "Idealnote" 50 von 50 möglichen Punkten für die Küche. Für die Gesamtwertung kommen noch weitere Punkte für Service, Trinken, Ambiente sowie Preis/Leistung dazu.

100 Punkte weit von Wien entfernt

Ein weiteres Lokal, das wie Hubertus und Landhaus Bacher in der Gesamtwertung 96 von 100 Punkten erreichte, ist noch weiter von Wien entfernt: Die Paznauner Stube im Tiroler Ischgl mit Martin Sieberer in der Küche. Weitere Spitzenwerte (95 Punkte) erreichten der Hanner in Mayerling, die Obauers in Werfen und das Pfefferschiff in Hallwang. In Oberösterreich bekam das Verdi mit 94 einen Spitzenplatz; im Burgenland steigerte sich der Taubenkobel um einen auf 93 Punkte.

Meinl am Graben mit Maximalwerten

Das einzige Wiener Lokal, das mit der Küche an die Maximal-Marke von 50 Punkten nahe kommt, ist der Meinl am Graben mit 49 Punkten. Das Team um Joachim Gradwohl in der Küche und Geschäftsführer Hermann Botolen wurde mit 92 Gesamtpunkten diesmal auch Sieger im Bundesland Wien. Der Vorjahressieger Steirereck im Stadtpark erhielt diesmal 91 Punkte.

Gastronomen setzen auf Design

Als mögliche Ursache für die Wiener Stagnation gibt Rosam an, dass "seit dem Coburg und dem Relaunch des Steirerecks kein weiteres Luxusrestaurant eröffnet wurde. Die Gastronomen setzen auf Design, People Lifestyle – und wollen auch ein Geschäft machen." Kleines Detail: Helmut Österreicher gründete nach seinem Abgang als Koch im Steirereck gemeinsam mit Rosam den "Österreicher im MAK". Dieses Lokal wurde, da gerade erst eröffnet, noch nicht bewertet. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 16.3.2006)

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